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Hilden
Brüninghaus & Drissner bleibt in Familie
Hilden. Eines der ältesten Familienunternehmen Hildens hat von Januar an eine jüngere Geschäftsleitung, die sich gestern vorstellte. Zugleich verabschiedeten die Mitarbeiter ihren langjährigen Technischen Chef, Dr. Gerhard Brüninghaus, von vielen ebenso respekt- wie liebevoll "der Doktor" genannt. Von Gökçen Stenzel

Das Unternehmen hat Seltenheitswert in einer Zeit, in der die meisten familiär geführten Firmen Probleme haben, Nachfolger zu finden. 1889 wurde es in Hilden gegründet und hier steht es nach wie vor. Es wird in der vierten Generation von einer einzigen Familie und deren Zweigen geführt. Mehr noch: Es ist bestens aufgestellt – sagen Ratingagenturen – und wird auch weiterhin von der Familie geleitet. Gestern stellte Jürgen Drissner, der Kaufmännische Geschäftsführer, seinen neuen Kompagnon vor: seinen Schwiegersohn Marc-Oliver Köhler (39). Er wird gemeinsam mit Drissner-Tochter Tanja Köhler in die Leitung des Automobil-Zulieferers einsteigen und löst Gerhard Brüninghaus an der Spitze ab. Der Name "Brüninghaus & Drissner" bleibt bestehen, da er gut eingeführt und bekannt sei, heißt es.

B&D war einst ein Stanzwerk, daraus ist inzwischen ein Spezialist für Umformtechnik geworden. Automaten stanzen aus Stahlblechen – im Monat werden rund 1000 Tonnen verarbeitet – 400 verschiedene Einzelteile, die von Schweißrobotern mit Namen wie Ida, Hugo oder Quinni zu Baugruppen zusammengefügt werden; etliche Werkzeugmacher haben ihren Arbeitsplatz in den Hallen an der Itterstraße, vier Lehrlinge werden jährlich ausgebildet. Unter anderem entstehen dort mehr als zwei Millionen Bremspedale im Jahr. Sie kommen im Golf ebenso zum Einsatz wie im Porsche Panamera.

Der Technische Leiter, ein Vetter von Jürgen Drissner, dessen Vater bereits Unternehmenschef war, geht nach 34 Jahren bei B&D in den Ruhestand. "Wir freuen uns, dass du die zwei laufenden Forschungsprojekte aber noch federführend zu Ende bringen willst", so Drissner gestern, ein sanfter Abschied also für Brüninghaus. In der Kantine verabschiedete man sich von dem promovierten Ingenieur, dem "Doktor", wie er genannt wird. 110 feste Mitarbeiter hat der Betrieb, 40 Zeitarbeiter kommen hinzu – die Kantine war rappelvoll. Viele, die dem Betrieb seit langem angehören, verbindet auch eine persönliche Geschichte mit dem Doktor. Davon zeugten die Abschieds- und Dankesreden sowie die Geschenke, die Brüninghaus sichtlich gerührt entgegen nahm. "Es ist gut, dass wir die Personalie heute verkünden können", hatte Drissner zuvor erklärt. "Gerade unsere Führungskräfte waren zuletzt in Unruhe." Auf "den Neuen" und seine Ansprache wartete man entsprechend neugierig.

Marc-Oliver Köhler gibt selbst zu, von einem Produktionsbetrieb nicht viel zu verstehen, weil er aus dem Handel kommt: Er ist Verkaufsleiter in den Mercedes-Benz-Centern von Lueg in Mülheim und Velbert. "Ich habe Kondition und die müssen Sie jetzt auch entwickeln", sagte er, "da ich unglaublich viel fragen werde." Seine Frau, Tanja Köhler, kennt den Betrieb seit fünf Jahren "nicht nur vom Frühstückstisch", wie sie sagte, sondern auch von innen. Sie wird aber ebenfalls erstmals für ihn arbeiten. "Noch vor kurzem hätte ich es mir nicht träumen lassen, dass ich hier einmal als Geschäftsführerin stehen werde", so die gelernte Bankkauffrau und zweifache Mutter. Doch nun sei sie froh und stolz, eine "so gute und motivierte Mannschaft" bei sich zu wissen. "Ich habe richtig Bock darauf, mit Ihnen die Zukunft zu rocken!": Mit diesen Worten eröffnete sie das Büfett.

www.rp-online.de/hilden

Quelle: RP
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