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Haan
Bürgerfest: Erinnerung an historischen Bus

Haan: Bürgerfest: Erinnerung an historischen Bus
Das alte FOTO: Archiv Breidbach
Haan. Etwa 22 Jahre lang verband der Oberleitungsbus die Stadt Mettmann mit dem Bahnhof Gruiten. Bei der Inbetriebnahme 1930 war es die erste O-Buslinie in Deutschland. Eingestellt wurde sie, erzählt Lothar Weller, Vorsitzender des Bergischen Geschichtsvereins, "weil es nicht möglich war, die Strecke bis nach Haan zu verlängern". Von Ilka Platzek

Die Strecke Mettmann-Gruiten war damals Teststrecke des RWE, "wegen der besonderen Topografie der Strecke, rauf, runter, rauf, runter." Außerdem sei die Streckenführung durch das enge Dorf Gruiten eine echte Herausforderung gewesen. "Der Bus hatte einen Wendekreis von 12 Metern".

Schnell war er nicht, der so genannte Trolleybus: Für die knapp 6000 Meter lange Strecke zwischen den beiden Endpunkten brauchte er laut Fahrplan 23 Minuten. Das entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 15 Stundenkilometern. Grund für das langsame Fortkommen war wohl das enge Haltestellennetz. Es zwang den Fahrer, alle 550 Meter anzuhalten. Neun Hin- und Rückfahrten am Tag waren üblich.

"Der letzte Bus", hat Lothar Weller erfahren, "war der Lumpensammler, der eine halbe Stunde vor Mitternacht von Gruiten nach Mettmann fuhr. Hobbyhistoriker Ernst Breidbach, aus dessen reichhaltigem Archiv auch etliche der historischen O-Bus-Fotos stammen, hat dazu folgendes notiert: "Gerne saßen zu dieser Zeit noch Mettmänner in der Gaststätte zum Schwanen. Der Wirt, der Schwaner, hing alsdann ein rotes Petroleumlämpchen vor die Tür. Das besagte dem Fahrer, dass noch Gäste mitfahren wollten. Er ging in den Schwanen, trank auch noch ein Gläschen oder ein spendiertes dazu, dann sagte er:' So nu kommt Jungs, wir wollen fahren.'

Sogar ein musikalisches Andenken an den O-Bus ist überliefert. Der Mettmanner Lehrer Fritz Uhrmeister dichtete, wohl auf die Melodie von "Tri-tra trullala": " wir fahren mit dem Trolleybus von Mettmann bis nach Gruiten. Der Mann, der immer vorne sitzt, der fängt dann an zu tüten. Tri-tra Trolleybus von Mettmann bis nach Gruiten. Und haben wir nicht Geld genug, fahr'n wir nur bis Potherbruch. Und wenn ich dann zur Schule muss, dann fahr allein, mein Trolleybus. Tri-tra Trollybus"

Diese Liedstrophe enthält einen ernsten Aspekt, nämlich den Fahrpreis. Lothar Weller hat recherchiert: "30 Pfennig für eine Fahrt, hin und zurück 60, das macht im Monat 12 Mark. Und das war für die damalige Zeit viel Geld." Deswegen hatte der Bus für den Berufsverkehr keine große Bedeutung. "Die meisten Arbeiter gingen zu Fuß oder fuhren mit dem Fahrrad."

In den Kriegsjahren 1942/43 stieg die Zahl der jährlichen Fahrgäste auf 400 000. Nach dem Krieg seien es bereits über 700 000 gewesen. Trotzdem hatte der O-Bus keine Zukunft, weil das Streckennetz nicht ausgebaut werden konnte. Am 17. Mai 1952 wurde auf Dieselbusse umgestellt. Bereits ein Jahr später konnte man dann mit der neuen Buslinie durchgehend von Mettmann über Gruiten bis nach Haan fahren – und natürlich auch umgekehrt.

Heute erinnern nur noch eine Hand voll Rosetten entlang der früheren Streckenführung an das stillgelegte Verkehrsmittel. An ihnen war die Verspannung der Stromversorgung für den Bus an den Gebäuden verankert. Eine davon ist neben dem Seitenportal der St.-Nikolaus-Pfarrkirche in Gruiten-Dorf gut zu erkennen.

(RP/rl)
 
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