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Hilden
Chlorgas-Unfall: Verletzte außer Gefahr

Chlorgas-Unfall in Hildener Schwimmbad
Hilden. Feuerwehr-Chef attestiert Hildorado-Mitarbeitern richtiges Verhalten. Die Polizei ermittelt wegen Körperverletzung. Von Christoph Schmidt und Claudia Hauser

Der Austritt von Chlorgasdämpfen am Sonntag gegen 16.45 Uhr im Spaß- und Freizeitbad Hildorado ist offenbar glimpflich abgelaufen. "Die Mitarbeiter des Hildorado haben sehr gut reagiert, die rund 500 Gäste evakuiert und die Lüftung abgeschaltet", sagt Hans-Peter Kremer, Leiter der Hildener Feuerwehr: "Es ist offenbar nur eine kleine Menge Chlorgas ausgetreten. Wir konnten nach unserem Eintreffen kein Chlorgas mehr im Hildorado messen." Zwei Erwachsene und sieben Kinder wurden vorsorglich in umliegende Krankenhäuser gebracht. Sie mussten über Nacht in den Kliniken bleiben, so Kremer.

"Je länger eine Person Chlorgas einatmet und je höher die Konzentration des Gases ist, desto gefährlicher wird es", sagt Marco Strohm, einer der leitenden Notärzte der Stadt Köln. Bei hoher Dosierung könne es zu Erstickungsanfällen kommen, auch könne Wasser in die Lunge geraten - was zu Lungenödemen führen kann. Eine derart hochgefährliche Konzentration von Chlorgas gebe es jedoch nie in Schwimmbädern, sondern allenfalls in Chemiebetrieben. Chlorgas ist in der bestimmungsgemäßen Konzentration im Schwimmbadwasser unschädlich, es wirkt antibakteriell und tötet Keime ab. Strohm hält es für ausgeschlossen, dass die neun Verletzten Folgeschäden davontragen. "Wichtig ist es, die Patienten eine Nacht zu beobachten, ihre Sauerstoffwerte zu überprüfen, damit keine Hinweise auf eine Entzündung oder Wasser in der Lunge übersehen werden.".

Hildorado wegen Chlorgas-Alarm evakuiert FOTO: Alexandra Rüttgen

Nach Auslösen des Alarms war die Feuerwehr mit einem Großaufgebot angerückt. "Wir müssen immer vom Schlimmsten ausgehen", erklärt der Hildener Feuerwehr-Chef. 153 Einsatzkräfte mit 54 Fahrzeugen sowie 30 Polizisten kümmerten sich um rund 500 Badegäste. Der Rettungsdienst sichtete 60 Personen. Die Kreispolizei Mettmann ermittelt jetzt wegen des Verdachts auf Körperverletzung. "Wir müssen ermitteln", so Polizei-Sprecher Ulrich Löhe: "Nach ersten Erkenntnissen spricht alles für menschliches Versagen." Bei Reinigungsarbeiten im Technikkeller sei es zu einer chemischen Reaktion gekommen, erklärt Sabine Müller, Sprecherin der Stadtwerke Hilden. Die Stadtwerke betreiben auch das Hildorado. Der sehr erfahrene Mitarbeiter habe sofort Gegenmaßnahmen eingeleitet und die Chemikalie neutralisiert. Dennoch seien Chlordämpfe über die Entlüftung in die darüber liegende Badelandschaft gelangt. Der Mitarbeiter bekam am meisten vom dem Chlorgas ab. Wie geht es ihm? "Den Umständen entsprechend gut", so Müller: "Er durfte nach einer Nacht in der Klinik nach Hause gehen und ist arbeitsfähig. Er ist aber seelisch sehr betroffen. Ein Notfallseelsorger hat ihn betreut."

Das Hildorado ist seit Montag wieder geöffnet. Müller kann sich an keinen Unfall dieser Art in den vergangenen 24 Jahren erinnern. In der Deutsche Gesellschaft für das Badewesen in Essen sind 1300 Badbetreiber und Fachleute aus ganz Deutschland organisiert. "Unfälle mit Chlor in Schwimmbädern sind relativ selten", sagt Diplom-Ingenieur Markus Funcke. Wenn dennoch etwas passiere, handele sich meist um menschliches Versagen. Chlorgasräume in Schwimmbädern müssten speziell begutachtet werden. Die Mitarbeiter, die dort arbeiten, würden zusätzlich geschult. Diplom-Ingenieur Stefan Mersmann ist Geschäftsführer des Planungs- und Gutachterbüros bt Plan, spezialisiert auf Schwimmbadbau: "Es gibt verschiedene Verfahren zur Desinfektion des Wassers. Sie sind in Deutschland extrem sicher." Unfälle mit Chlorgas in Schwimmbädern seien "extrem selten": "Fehlbedienungen kann nie ausschließen."

Quelle: RP
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