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Hilden
Das Einmaleins gegen Gewalt

Hilden: Das Einmaleins gegen Gewalt
In 28 Lektionen wird die Erzieherin Inge Becker künftig mit dem Wilden Willi (weiß) und der Ruhigen Schnecke (braun) den Kindern erklären, wie sie Streit gewaltfrei lösen können. FOTO: RPO
Düsseldorf. Das Lernprogramm "Faustlos" der Uni Heidelberg soll Kindern zeigen, wie sie Konflikten lösen können. Der Lions Club finanziert die Schulung und Ausrüstung von fünf Kindergärten und sieben Grundschulen. Von Sebastian Brinkmann

Der Wilde Willi kläfft ständig herum und ist ein streitbarer Zeitgenosse, der sich damit aber keine Freunde macht. Ganz anders die Ruhige Schnecke, die leise spricht und viel lieber mit dem Wilden Willi spielen würde, als von ihm ständig provoziert zu werden. Die beiden Handpumpen sind Teil des "Faustlos"-Programms, das ab morgen in vielen Kindergärten und Grundschulen Hildens unterrichtet wird.

"Wie das Einmaleins in Mathe müssen die Kinder auch lernen, über Gefühle zu sprechen und ihre Konflikte gewaltfrei zu lösen", erklärt "Faustlos"-Trainerin Gabriele Ulrich. Zwei Tage schult die Mitarbeiterin des Präventionszentrum der Universität Heidelberg die Pädagogen von fünf Kindergärten und sieben Grundschulen, bevor diese mit dem Koffer voller Unterrichtsmaterial und den beiden Handpuppen zu ihren Sprösslingen zurückkehren. Finanziert wird das Projekt vom Hildener Lions Club. Die Stadt hätte das Geld sonst an anderer Stelle einsparen müssen.

Gewalt beginnt im Kindergarten

"Natürlich haben wir schon unsere Methoden, um mit gewaltbereiten Kindern umzugehen", sagt Inge Becker, stellvertretende Leiterin des Kindergartens "Kunterbunt". Aber die Erzieher nehmen das neue Konzept gerne auf, um künftig noch besser mit problematischen Jungen und Mädchen zu arbeiten. In einem ersten Schritt werden die Kinder lernen, sich in die Lage des anderen zu versetzen, um die Situation aus seiner Perspektive zu sehen. Dann sollen sie trainieren, ihre Impulse zu bremsen und mit der Gewalt umzugehen. "Dafür sind diese Handpuppen da. Mit ihnen können wir den Kindern verschiedene Situationen vorspielen und fragen, welches Verhalten denn besser ist", erläutert Becker.

Obwohl es in der Städtischen Einrichtung "Kunterbunt" noch verhältnismäßig ruhig zugeht, bemerkt auch Inge Becker die steigende Gewaltbereitschaft. "Das zieht sich durch alle gesellschaftlichen Schichten. Entscheidend ist, ob die Eltern ihren Kindern ein Vorbild sind. Auch müssen sie ihnen zeigen, wo die Grenze verläuft und was passiert, wenn sie diese nicht einhalten." Für Kindergärten und Grundschulen sieht Faustlos ein genau festgelegtes Lernprogramm vor: In der Grundschule wird in 28 Lektionen ein Fundament gelegt, das dann in den Klassen 1 bis 3 der Grundschule fortgesetzt wird.

Gespräche mit Eltern wichtig

Die Eltern sollen in diesen Lernprozess mit eingebunden werden. "Wir setzen uns schon jetzt zweimal im Jahr mit den Eltern zusammen und reden über ihre Kinder und eventuelle Probleme", berichtet Inge Becker. Oft fragen die Eltern sie und ihre Kollegen dann um Rat.

Quelle: RP
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