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Hilden
Der erste Krieg, den Kameras festhielten

Hilden: Der erste Krieg, den Kameras festhielten
Schüler der Musikschule spielen bei der Vernissage vor dem Plakat Stücke aus dem besagten Bürgerkrieg. Das Publikum konnte mit´summen. FOTO: gök
Hilden. "Im Feld verwundet" heißt die sehenswerte Ausstellung, die im Fabry-Museum zu sehen ist. Die Fotos machten die ersten Besucher nachdenklich. Von Gökçen Stenzel

Der Amerikanische Bürgerkrieg hat damals, vor 150 Jahren, 600.000 Menschen das Leben gekostet - eine ungeheure Zahl. Zugleich war es der erste Krieg, der so gut dokumentiert und fotografiert wurde, dass er sich für die Gegenwart rekonstruieren lässt.

Für Kurator Michael Ebert, selbst Fotograf und Fotolehrer, war der Bereich rund ums Thema Verletzung interessant, wollte er doch eine Schau zusammenstellen für das Wilhelm-Fabry-Museum, dem medizinisch-historischen Hildener Haus. Herausgekommen sind Bildergruppen von bestechender Qualität, viele menschlich anrührend, andere auch unfreiwillig komisch.

Wolfgang und Thorben Gettmann mit Razeea Lindner FOTO: stenzel

"Niemand war auf diesen Krieg vorbereitet", sagt Ebert: "Es gab nur Freiwillige, die sich um die Verwundeten im Feld kümmerten. Sie bauten Wagen und Krankenstationen, um zu helfen." Antisepsis war noch nicht entdeckt - sie kam zwei Jahre zu spät für die Amerikaner, wie Museumsleiter Wolfgang Antweiler in seiner Eröffnungsansprache ausführte: "Die Diagnose Wundbrand war bis dahin ein Todesurteil."

Beeindruckend genaue Aufnahmen in der Ausstellung zeigen amputierte Gliedmaßen, verstümmelte und verbundene Soldaten, auf dem Feld und in irgendwelchen Karren liegend. Die Schildchen an den Bildern enthalten sehr detaillierte Erläuterungen; wer will, kann die Schau klüger verlassen als er sie beteten hat. Auch spannt Ebert den Bogen über den Vietnam- bis zum Jugoslawienkrieg. Er erinnerte in seiner Einführung an den Hildener Kriegsfotografen Volker Krämer, der 1999 im Kosovo erschossen wurde. Schon immer wurden Kriege dokumentiert, in der Neuzeit auch fotografiert. "Stell dir vor, es ist Krieg und keiner fotografiert", spitzte Ebert das Thema zu.

Eberts Lehrer Barbara Lawatsch und Ekkehart Smigelski FOTO: stenzel

"Tatsächlich schrecken die Kriegsbilder ja offensichtlich niemanden von einer Wiederholung ab", sagte Besucherin Ingrid Koshofer aus Bergisch-Gladbach. "Jedermann findet sie furchtbar, aber die Männer können nicht von Kriegen ablassen." Ihr Mann Gert stimmte ihr zu: Kriege seien Männersache. Nur: Warum ist das so? Warum lernt die Welt nicht aus der grausamen Vergangenheit? Darauf haben weder das Ehepaar noch die Ausstellung eine befriedigende Antwort.

Barbara Lawatsch und Ekkehart Smigelski, ebenfalls unter den Gästen bei der Vernissage, hatten neben ihrem Interesse für die Schau einen weiteren Beweggrund zu kommen: Beide waren einst Grundschullehrer und unterrichteten Michael Ebert. "Wir haben uns lange nicht gesehen", erzählt Lawatsch, "bis zum Klassentreffen im letzten Jahr." Beide haben sich sehr gefreut, als die Einladung mit den Worten kam, er, Ebert, habe etwa zu zeigen und sie, seine Lehrer, möchten doch einmal gucken kommen.

Ingrid und Gert Koshofer mit Eberts Ehefrau, Sandra Abend (re.) FOTO: stenzel

Unter den Gästen waren auch die Hildener Künstlerin Razeea Lindner und der ehemalige Aquazoodirektor Wolfgang Gettmann, der seinen Sohn Thorben mitgebracht hatte und fasziniert war von den Geschichten, die die Bilder erzählen. Da war der Offizier, dem das Bein zertrümmert und amputiert wurde. Er ließ die zersplitterten Knochen samt der entscheidenden Kugel als Ausstellungsstücke herrichten - und besuchte sein Bein anschließend regelmäßig im Museum.

Übrigens: Wie nah uns der Amerikanische Bürgerkrieg ist, wurde nicht nur im Grußwort der Bürgermeisterin deutlich, die die Verbindung zwischen damals und dem eigenen Geschichtsverständnis bei der Bundeswehr betonte. Sondern auch bei den Blasmusikstücken, die die Vernissage umrahmten: "Glory Glory" und "Tramp Tramp Tramp" kann jeder mitpfeifen.

Quelle: RP
 
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