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Auf Ein Wort Joachim Rönsch
Der Mensch ist einzigartig - keine statistische Größe

Hilden. Für alles gibt es Statistiken. Daher wissen wir: Der typische Deutsche steht morgens um 6.18 Uhr auf und geht abends um 23.04 Uhr schlafen. Er isst 214 Eier im Jahr und liest im Leben 274 Bücher. Er verschleißt im Leben vier Kühlschränke, sieben Fernseher, elf Kaffeemaschinen und 25 Handys. Und wenn er 70 Jahre alt wird, hat er im Durchschnitt 100.000 mal geküsst. Ich muss sagen, ich lese solche Statistiken mit Interesse.

Staune über die Mühe, die dahinter steckt, weiß, dass Statistiken wichtig sind, um Dinge besser planen zu können, kenne aber auch den alten Satz nur der Statistik zu trauen, die ich selber gefälscht habe. Was mir aber dabei am unbehaglichsten ist: In einer Statistik komme ich lediglich als unbedeutende Nummer in einem großen Zahlenwerk vor. Mit einem Lächeln muss ich an meinen alten Mathematiklehrer denken, der uns im Leistungskurs erklärte: Wenn ein Mensch mit einem Bein auf einer glühenden Herdplatte steht und mit dem anderen auf einem Eisblock, sagt die Statistik, es gehe ihm im Durchschnitt gut.

Womit er uns klar machen wollte: Man muss wissen, wie man Statistiken liest - und wie besser nicht. Denn über den konkreten Einzelfall sagt eine Statistik nichts aus. Das zu wissen, finde ich wichtig. Es ist eine Voraussetzung für einen humanen Umgang miteinander. Sich darüber klar zu sein: der oder die Andere ist kein numerischer Wert in einem Zahlensystem. Sondern ein einmaliger, unverwechselbarer Mensch.

In einem biblischen Psalm finde ich diesen Gedanken wieder. Dass ich als Mensch in einer einmaligen Beziehung zu Gott stehe. Gott sagt zu mir am Beginn meines Lebens: Ich kenne dich, du Joachim, Michael oder Martin, Lisa, Maria oder Anna. Ich schaue auf dich. Ich habe dich im Blick. Oder in der Sprache des Beters von Psalm 139: "Deine Augen, Gott, sahen mich, als ich noch nicht bereitet war... Und am Ende bin ich noch immer bei dir.

" Ich finde es schön zu wissen: für Gott bin ich keine statistische Größe. Sondern jemand, zu dem er Du sagt. Schon vor dem Leben, während seines Lebens, am Ende und weit darüber hinaus. Du, ich sehe dich! Ich nehme dich wahr! Nicht weil ich dich kontrolliere, sondern weil Du mir wichtig bist. Kein Durchschnitt. Sondern ein einmaliger Mensch! Ich denke: wer so angesehen ist, dem gelingt es leichter, auch einen anderen Menschen so anzusehen - als Gottes ganz besonderes Geschöpf, und nicht bloß als statistische Größe, egal ob der Mensch hier geboren ist oder ganz woanders.

Quelle: RP
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