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Hilden
Diakoniechor sucht noch Mitglieder

Hilden. "Singen im aktiven Ruhestand" macht schon wenige Monate nach der Gründung 45 Senioren Spaß. Besonders beliebt sind die Proben am Vormittag. Von Ilka Platzek

Dorothea Haverkamp steht im Gemeindesaal der Erlöserkirche am Flügel und begleitet sich selbst beim Gesang. Etwa 35 Senioren hören gebannt zu, wenn die Chorleiterin einzelne Passagen intoniert, denn gleich sind sie dran. Geprobt wird eine Messe von Joseph Haydn. Der neue "Diakoniechor" ist das Kind von Sonja Schüller, der Vorsitzenden des Diakonischen Werks Hilden, und Dorothea Haverkamp, der Chorleiterin und zugleich der Kirchenmusikchefin von Hilden seit mehr als 30 Jahren. "Wir bieten für Senioren schon einiges im kreativen Bereich an, aber einen Chor hatten wir noch nicht", sagt Pfarrerin Schüller. "Ich singe selbst gern und viel und weiß, dass Singen glücklich macht." Natürlich gebe es Chöre von Leuten, die zum Teil schon seit Jahrzehnten zusammen singen, aber einen gemischten Chor für Anfänger ohne Chorerfahrung, das sei schon etwas Besonderes. Während der Chor probt, erzählt Schüller, dass die Senioren sogar schon aufgetreten sind: "Bei einer Weihnachtsfeier und einem Gottesdienst - und die Kirche war voll."

Die Probe, die jeden Mittwoch von 10 Uhr bis 12.15 Uhr stattfindet, ist beendet. Die Mitglieder - überwiegend Frauen und ganze sieben Männer - brechen auf. Walter Lauer (85) hat bereits sein Leben lang in Chören gesungen. "Für mich war ausschlaggebend, dass hier am Vormittag geprobt wird", sagt er. Abends habe er anderes vor, aber der Vormittag passe ihm prima. Chorleiterin Haverkamp kennt er bereits von der Kantorei und schätzt ihre Arbeit. Karin Petry (68) kommt extra aus Haan nach Hilden. Dort singt sie bereits in einem Gospelchor mit. "Jetzt wollte ich mal etwas anderes singen. Die Auswahl gefällt mir sehr gut." Auch Christa Remmers (71) aus dem Hildener Süden schätzt das Singen am Vormittag. Außerdem trifft sie Leute wieder, die sie zum Teil schon lange Zeit nicht mehr gesehen hat. Und: "Ich habe auch schon nette neue Leute kennengelernt." Gemeinsames Singen verbindet, davon sind alle Beteiligten überzeugt. Chorleiterin Haverkamp sorgt dafür, dass alle ge- aber nicht überfordert sind. "Ich suche ein Repertoire aus, das die Senioren gut bewältigen können." Abwechslungsreich soll es sein, Lieder auf Englisch, Schwedisch, Popsongs und Volkslieder seien dabei, auch Kanons. "Wir singen nie einstimmig. Ich suche immer gute neue Arrangements aus."

Der gemeinsame Gesang macht jedes Gedächtnistraining überflüssig, glaubt sie. Die Senioren müssen Texte auswendig lernen, sogar schwedische, aber "niemand muss Noten lesen können". Die Stücke werden durch Vorsingen oder Vorspielen erarbeitet. Mitunter werden auch Ehepartner einbezogen: "Eine Seniorin lässt sich die Lieder zu Hause von ihrem Mann auf dem Akkordeon vorspielen", erzählt die Chorleiterin. Und die Pfarrerin schmunzelt darüber, dass der Seniorenchor auf einer Pause während der Probe besteht. "Die bringen sich ihren Kaffee selbst mit, trinken ihn und räumen hinterher alles wieder schön auf." Leute, die zusammen im Chor singen, treffen sich auch jenseits der Chorproben, weiß sie. Insofern sei der Chor ein Baustein, um Kontakte unter älteren Leuten zu knüpfen und neue Freundschaften zu schließen. "In einem Chor sind ja viele Leute. Da ist die Auswahl groß." Der Diakoniechor ist übrigens noch nicht voll: "70 Leute können es ruhig werden", findet die Chorleiterin.

Wer im Ruhestand ist und sich angesprochen fühlt, soll einfach bei der Probe mittwochs im Gemeindesaal an der St.-Konrad-Allee vorbeikommen.

Quelle: RP
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