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Postskriptum Die Woche In Unserer Stadt
Die Bibliothek ist mehr als ein Medienzentrum

Hilden. Große Ehre für die Hildener Stadtbücherei: Sie wurde zur "Bibliothek des Jahres" gekürt. Damit ist klar, was die Häuser inzwischen wirklich leisten können sollen.

Die Auszeichnung lenkt den Blick auf eine Entwicklung, die alle (Stadt-)Büchereien mitmachen - mit mehr oder weniger großem Erfolg. Der Name "Bücherei" könnte inzwischen als falsch bezeichnet werden, denn schon sehr lange vorbei sind die Zeiten, als am Nove-Mesto-Platz tatsächlich nur Bücher verliehen wurden. Der Wandel begann in den 80ern mit der Aufnahme von Musikplatten und Videos ins Sortiment. Erste Computerbildschirme tauchten auf, ganz allmählich erweiterten die Mitarbeiter das Sortiment.

Heute gibt es CDs, Filme, Hörbücher, E-Books, Spiele und freien Internetzugang - neben Büchern und Zeitschriften, natürlich. Die Ausstattung, die zum Verweilen auf den Etagen einlädt, tut das Ihre für ein oftmals gut besuchtes Haus, ebenso müssen die vielen Veranstaltungen erwähnt werden, die das Bücherei-Team um Claudia Büchel organisiert: Lesungen, Konzerte, Ausstellungen und Diskussionen finden dort statt, 8300 Besucher konnten allein damit angesprochen werden. Die Bibliothek ist damit längst ein kulturelles Zentrum - und ein Medienzentrum sowieso. Das ist aber nicht überraschend oder neu. Eine weitere Eigenart der Bücherei können wir in diesem Zusammenhang aber gern noch einmal erwähnen: Sie ist ein Treff für Menschen, die wenig persönlichen Raum haben - zum Beispiel Asylsuchende. Gerade junge Flüchtlinge kommen täglich in die Bücherei, sie haben sie längst zu ihrem Wohnzimmer, zu einem Rückzugsraum gemacht. Hier können sie im Internet surfen, gemeinsam lernen, heimlich die Freundin treffen oder auch nur ausruhen. Es mag noch so banal klingen: Ohne solche Orte können sich Menschen unterschiedlicher Herkunft nicht vorurteilsfrei begegnen, manchmal auch gar nicht begegnen. Gastronomie? Zu teuer. Stadtpark? Schlicht nicht dasselbe. Andere Örtlichkeiten? Nicht vorhanden.

Das Signal an die örtliche Politik muss sein, die Bücherei arbeiten zu lassen und keinesfalls noch einmal die Öffnungszeiten zu ändern beziehungsweise einzugrenzen wie es vor zwei Jahren zuletzt passiert ist. Glückwunsch jedenfalls an das Bücherei-Team, wir sind gespannt auf die Übergabe des Preises am 23. Oktober!

goekcen.stenzel@rheinische-post.de

Quelle: RP
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