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Postskriptum Die Woche In Unserer Stadt
Die CDU hat aus ihren Fehlern gelernt

Hilden. Hauen und Stechen bei den Christdemokraten: Das war einmal. Wenn heute gestritten wird, dann intern. Ob das tragfähig bleibt, wird sich Ende Juni zeigen.

Politiker müssen Spagat können - einerlei, ob sie im großen Berlin hauptberuflich Politik machen oder im kleinen Hilde ehrenamtlich. Der Spagat besteht in jedem Fall darin, auf der einen Seite eigene Positionen zu haben und auch zu verteidigen und auf der anderen nicht in den Ruch der Streitlust zu geraten. Zu viel öffentlich und untereinander ausgetragener Streit bekommt keiner Partei gut, zu wenig Streit um die Sachpunkte ist öde.

Vor allem den ersten Teil des letzten Satzes hat sich die CDU Hilden zu Herzen genommen. Vor vier Jahren wurde ein Neubeginn nach grimmigem Streit verkündet, ein Neustart mit anderem Personal sollte es sein. Der damals gewählte Stadtverbands-Chef Jörg Brandenburg und Fraktionsvorsitzende Marion Buschmann zogen fortan an einem Strang, die Stimmung drehte sich, nach und nach rückten wieder die Themen in den Vordergrund. 2014 wurde Brandenburg im Amt bestätigt, es zeigte sich, dass die zurückhaltende Art des jetzt 46-Jährigen genau das war, was die Union gebraucht hatte. Kein Draufgänger, kein Selbstdarsteller, einer, der seine Person auch im Hintergrund behalten konnte und kann: Das trifft beileibe nicht auf alle in der CDU zu.

Brandenburg macht nicht mehr weiter. Ganz allein hat er diese Entscheidung nicht getroffen, Parteifreunde haben ihm dazu geraten, manche sagen: ihn dazu gedrängt. Wie auch immer - wichtig ist, dass sie es nicht laut und öffentlich getan haben. Sie haben sich im Vorfeld auf eine Lesart geeinigt und damit zweierlei gezeigt. Erstens haben sie aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Zweitens ist die Stimmung tatsächlich ganz gut, denn sonst gäbe es zwangsläufig Stänkerer.

Ob das tragfähig ist, wird die Mitgliederversammlung am 27. Juni zeigen: Wie konstruktiv werden die Gespräche im Vorfeld sein? Bisher ist nicht klar, wie viele Vorstandsmitglieder ihre Posten wirklich räumen werden und welche Ämter dann neu zu besetzen sind. Der Schatzmeister will nicht mehr, auch einer von Brandenburgs drei Stellvertretern geht. Ein weiterer strebt den Vorsitz an, so dass selbst bei einer Reduzierung der Zahl der Stellvertreter zwei gefunden werden müssten.

Jetzt also die Nagelprobe: Es gilt, die jungen Mitglieder zu mobilisieren und ins Boot zu holen. So könnte die Union zeigen, dass sie die Stimmen der Jungen wirklich ernst nimmt und sie mitbestimmen lässt. Zusammen mit anderen, erfahrenen Vertretern könnten sie den Umbau der CDU zum Erfolg führen.

goekcen.stenzel@rheinische-post.de

Quelle: RP
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