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Auf Ein Wort Hans-Peter Gitzler
Die Kirche verändert sich ständig

Auf Ein Wort Hans-Peter Gitzler: Die Kirche verändert sich ständig
FOTO: Staschik Olaf
Hilden. Es war eine Zeit des Aufbruchs, als Martin Luther vor 500 Jahren seine 95 Thesen veröffentlichte. Religiöse Dogmen wurden hinterfragt, neue Werte althergebrachten Denkweisen entgegengesetzt und das Korsett klerikaler Bevormundung aufgebrochen. Ecclesia semper reformanda - die Kirche ist immer zu verändern. So lässt sich das reformatorische Grundanliegen beschreiben, dass sich die Kirche immer wieder neu am und vom Wort Gottes ausrichten lassen soll. Von Anfang an gab es im Christentum Erneuerungsbewegungen. Das führte auch zu Trennungen und Abspaltungen, aber um etwas Neues zu schaffen aber um etwas Neues zu schaffen, muss manchmal etwas anderes aufgegeben werden. Das kann schmerzhaft sein, ist aber unausweichlich. Es braucht auch in der Kirche Innovationen und neue Ideen, damit sie nicht zu einem Museum verkümmert. Ich wünsche mir deshalb eine Kirche, in der Reformation, Erneuerung kein historischer Gedenktag ist, sondern ein sich immer wieder neu vollziehendes Geschehen. Ich wünsche mir eine Kirche, die sich nicht im Glanz der guten alten Zeit sonnt, sondern sich den Aufgaben und Nöten der Gegenwart stellt. Ich wünsche mir eine Kirche, die zu ihrer Unvollkommenheit steht, die sich nicht mit ihren Erfolgen rechtfertigt, sondern die von der Rechtfertigung aus Glauben lebt. Ich wünsche mir eine Kirche, die nicht auf antiquierte Lehrmeinungen fixiert ist, sondern die Fragen, die Erfahrungen und das Lebensgefühl der Menschen heute ernst nimmt. Ich wünsche mir eine Kirche, die nicht ständig um sich selbst kreist, sondern sich an Jesus und seinem Dienst am Menschen orientiert. Und ich wünsche mir schließlich eine Kirche, die andere Religionen nicht als Bedrohung, sondern die Vielfalt auch als eine Gottesgabe und Bereicherung wahrnehmen lernt. Diese Reformation liegt nicht hinter uns, sondern vor uns. In diesem Sinne möchte ich auch am 31. Oktober das fünfhundertjährige Reformationsjubiläum feiern - im Vertrauen auf Gott, der mit uns geht und mit unserer Welt und im Vorgriff auf eine Zukunft, die er uns verheißen hat.

DER AUTOR IST PFARRER DER EVANGELISCHEN KIRCHENGEMEINDE HAAN

Quelle: RP
 
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