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Auf Ein Wort Frank Dieter Göbel
Die Spreu vom Weizen trennen

Auf Ein Wort Frank Dieter Göbel: Die Spreu vom Weizen trennen
Frank Göbel ist Pastoralreferent der katholischen Pfarrgemeinde St. Jacobus. FOTO: Staschik
Hilden. Am Sonntag feiern wir Erntedank. Kirchen, Kindergärten, Schulen und auch manche Privathäuser sind aus diesem Anlass herbstlich geschmückt. Auch in unserer urbanen Umwelt, in der kaum mehr ein Kind das Ernten der Feldfrüchte erleben kann, in der immer mehr auf Abruf sofort verfügbar ist, mögen wir uns erinnern, dass der Kreislauf der Schöpfung unserem Leben Struktur gibt.

Erntedank könnte ein kurzer Moment des Innehaltens sein, in dem ich mir bewusst bin, dass ich nicht alles mir selbst und meiner Leistung verdanke; dass mir das Leben geschenkt ist; dass ich verwiesen und angewiesen bin auf die vielen anderen, die an ihrer Stelle das Richtige tun, um so das Leben aller zu ermöglichen.

Es ist vielleicht gerade Erntezeit, wenn ich dankbar zurückblicken darf auf Situationen und Menschen, die mir in der letzten Zeit wichtig waren. Manche bleiben, manche waren nur kurz da und manche kommen nie wieder. Menschen haben sich verabschiedet oder werden sich verabschieden. Was bleibt, was halte ich als Ernte davon in der Hand? Ernte bedeutet ja auch das Abschneiden, das Abtrennen und Bewahren des Guten, damit nicht am Ende alles verfault; man könnte sagen, "die Spreu vom Weizen zu trennen".

Vielleicht überlege ich mir zu Erntedank, was denn der gute Weizen in meinem Leben ist, den ich in meine Scheune einfahren möchte. Das heißt dann auch, mich von der Spreu zu trennen, von dem, was unnötig, lästig, überflüssig oder sogar schädlich ist. Vielleicht finde ich in mir selbst Dinge, Eigenschaften, Verhaltensweisen, die es zu pflegen und zu bewahren gilt und solche, die ich überwinden kann. Damit ich frei werde und mit unverstelltem Blick dankbar auf diese Welt schaue. Denn da gibt es neben "Spreu" und "Weizen" auch noch Vieles, das sich keinem Zweck unterwirft, sondern nur um seiner selbst da ist: das Schöne, das Wahre und das Gute.

Erntedank heißt also, Augen, Ohren und Herzen bekommen so groß wie Scheunentore; damit wir aus dem Staunen nicht mehr herauskommen: Er - Gott - hat alles gut gemacht! Danke!

Quelle: RP
 
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