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Hilden
Educon-Prozess: Erzieherin schildert Übergriffe

Hilden. Psychisch kranke Kinder wurden in der Hildener Kinder- und Jugendeinrichtung Educon wohl auch als Versuchsobjekte in Seminaren der Erzieher missbraucht. Das schilderte gestern eine Erzieherin (43) im Misshandlungsprozess vor dem Landgericht Düsseldorf. Dort hatte eine Gruppenleiterin bereits ein Geständnis abgelegt, wonach die erschütternd schlimmen und auf Video dokumentierten Übergriffe auf die minderjährigen Bewohner von zwei Wohngruppen als Teil einer Therapie angesehen worden seien. Von Wulf Kannegießer

Gestern ergänzte eine ihrer vier Mitangeklagten, dass sie auf Seminaren zur Fortbildung auch Kinder mitgenommen und bei den Kursen direkt "therapiert" hätten. Laut Anklage sollen die Gruppenleiterin und vier Mitarbeiter (darunter drei Frauen) etliche Kinder wochenlang gezielt gedemütigt, misshandelt, gequält, eingesperrt, mit Essensentzug bestraft, angespuckt und in stundenlangen Wiederholungen immer wieder samt einem Stuhl umgetreten haben. Die mitangeklagte 43-jährige Erzieherin, die gestern zu Wort kam, schilderte noch mehr erschütternde Details und die Entstehung solcher Praktiken in Fortbildungs-Seminaren.

Demnach sei ein autistisches Kind auf den Bauch einer Vertrauensperson gelegt und von mehreren Erziehern an Füßen, Händen und Kopf festgehalten worden. "Wir sollten keine Gewalt, keine übermäßige Kraft ausüben, das Kind nicht überwältigen", so die Angeklagte. Man habe dem Kind auch ein Handtuch über Kopf und Gesicht gelegt, "aber nicht fest". Sobald das Kind schrie, sollten die Erzieher "immer eine Idee lauter sein". Oder die Erzieher naschten zur Provokation Schokolade, um dem behinderten Kind zu zeigen: "Wir lassen uns von dir nicht beeindrucken.

Wir könnten auch zusammen Schokolade essen, aber dann lass doch den Widerstand sein." Die Angeklagte weiter: "So wurde uns das beigebracht. Wir sollten provozieren, um auch den letzten Widerstand rauszuholen, der noch irgendwo schlummerte." Denn der Mentor jener Methoden habe stets betont, wenn man das nicht schaffe, würde der Widerstand im Kind bleiben. Auch habe der Mentor vorausgesagt, das Kind würde um Hilfe schreien und nach der Polizei. Die Angeklagte: "Das wurde nur belächelt und abgetan: Das ist halt der Widerstand, weil die Kinder so blockiert sind.

" Der Prozess geht weiter.

Quelle: RP
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