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Hilden
Ein Jahrhundert Badespaß am "Itterstrand"

Hilden. Es hat eine bewegte Geschichte, das Freibad Ittertal, das 100 Jahre alt wird. Ein Rückblick auf eine echte Solinger Institution. Von Martin Oberpriller

Die Zeit schien einfach reif. In den Jahrzehnten zuvor hatten die Städte und Gemeinden auf dem Gebiet der heutigen Großstadt Solingen massiv an Einwohnern gewonnen. Doch von einer Infrastruktur im eigentlichen Sinne konnte noch keine Rede sein - was nicht zuletzt darin seinen Ausdruck fand, dass es zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Region nur wenige Orte gab, an denen der moderne, stressgeplagte Mensch die Gelegenheit gehabt hätte, zu entspannen.

Ein Umstand, der einen gewissen Carl-Friedrich Ern immer mehr störte. Denn Ern war Gründer einer nach ihm benannten Fabrik für Rasiermesser und wusste als Unternehmer nur zu gut, dass seine Zeitgenossen angesichts der harten Arbeitsbedingungen einen Ausgleich benötigten. Aus diesem Grund entschloss sich der Fabrikant im Jahr 1913 zur Errichtung eines neuen Strandbades im Ittertal. Wobei der Standort durchaus mit Bedacht gewählt war, existierten in dem reizvollen Gebiet doch schon einige Vergnügungsstätten wie etwa ein "Ittertaler Volksgarten" samt Wasserkarussell.

Gleichwohl stand die Errichtung des neuen Bades zunächst einmal unter einem denkbar schlechten Stern. Ein Jahr nach Baubeginn brach nämlich der Erste Weltkrieg aus, so dass das Strandbad schließlich mitten im Krieg, am 22. Mai 1917, erstmals seine Pforten für Gäste öffnete.

Tatsächlich blieben unter diesen Umständen weitergehende Überlegungen reine Illusion. Beispielsweise war zunächst vorgesehen gewesen, das Bad über eine sogenannte Strandbadbahn verkehrlich besser anzuschließen. Doch daraus wurde nichts - zumal nach Kriegsende ein weiteres Problem den Badbetreibern zunehmend zu schaffen machte. Aufgrund der stets stärker werdenden Wasserverschmutzung durch Wohnbebauung sowie Industrie musste das ursprünglich aus zwei Brunnen gespeiste Strandbad in den 20er Jahren um einen eigenen Stausee erweitert werden, der fortan das kühle Nass für die Besucher lieferte.

Wohlgemerkt Besucher, die am "Itterstrand" mit seinem Sandufer zunächst noch getrennt nach Geschlechtern dem Badevergnügen nachgehen konnten. Was indes der Beliebtheit der Anlage keinen Abbruch tat. Denn in den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen entwickelte sich das Freibad mit seinen Sprungtürmen sowie einer großen Gastronomie inklusive Terrasse zu einem attraktiven Freizeitort, den an heißen Sommertagen Hunderte aufsuchten.

Im Jahr 1936 wurde das Bad von der nur wenige Jahre zuvor gegründeten Großstadt Solingen übernommen, ehe es im Zweiten Weltkrieg bei den Luftangriffen auf die Klingenstadt stark zerstört wurde. Einige Jahre nach Kriegsende kehrte dann aber wieder das Leben ins Ittertal zurück. Das Bad wurde neu eröffnet. Und 1975 wurde die Anlage sogar um die Eislaufbahn erweitert, so dass im Ittertal jetzt ganzjährig etwas los war.

Gleichwohl war die Zukunft beileibe nicht gesichert. Im Jahr 1987 ging das Bad an die gemeinnützige Sport- und Kulturzentrum Ittertal GmbH über, die allerdings 21 Jahre später aus finanziellen Gründen aufgeben musste. Die Tage des Bades schienen damals, 2008, endgültig gezählt. Doch dann gründete sich ein Jahr später der Förderverein Ittertal, der die Anlage seitdem betreibt - und so dafür Sorge trägt, dass dieses Stück Solinger Stadtgeschichte nun in sein zweites Jahrhundert geht.

Quelle: RP
 
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