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Gruiten
Eine Reise des Herzens

Gruiten: Eine Reise des Herzens
„Bei so einem Wetter wären wir in Südamerika nicht aufs Rad gestiegen.“ Die letzte Etappe von Köln nach Gruiten bewältigten Britta Gohl und Simon Boesterling bei strömendem Regen. FOTO: RPO
Düsseldorf. Zwei Jahre lang sind Britta Gohl und der Gruitener Simon Bösterling mit dem Fahrrad durch Südamerika getourt. Auf der über 20000 Kilometer langen Route lernte das Paar intensiv Kultur und Alltag der Einheimischen kennen. Von Fabian Wachsmuth

Wie schnell zwei Jahre vergehen können, haben Britta Gohl und Simon Bösterling spätestens bei ihrer Rückkehr aus Südamerika gemerkt: „Mein Vater hat zu mir gesagt: 'Irgendwie ist es, als wärest du nur eine Woche im Urlaub gewesen.‘ Und so ging es mir auch“, erzählt Bösterling lachend. Seit November 2006 hatten der Gruitener und seine Freundin zwischen Feuerland und der kolumbianischen Karibikküste insgesamt fast 21000 Kilometer auf dem Fahrrad zurückgelegt, als sie am vergangenen Samstag wieder in der Heimat eintrafen.

Ohne Zeitdruck

Mit der Reise hat sich das Paar einen langgehegten Traum erfüllt. Schon auf einer achtmonatigen Radrundfahrt durch Mittelamerika, bei der sie für ihre Diplomarbeit recherchiert hatten, waren die beiden 31-jährigen Sozialpädagogen auf den Geschmack gekommen. „Es ist schön, mal ohne Zeitdruck zu reisen“, erläutert Britta Gohl. Für die Südamerikatour hängten sie und ihr Freund ihre Jobs in Berlin an den Nagel, denn: „Uns war von vornherein klar, dass es nicht bei einem Jahr bleiben würde“, erinnert sich Simon Bösterling. Schließlich hatte sich das Paar Großes vorgenommen: Sogar die Anden erklomm es mit seinen Tourenrädern, trotzte dort teils eisiger Kälte wie auch den heftigen Winden in der argentinischen Pampa und der glühenden Hitze in Bolivien. „Sobald man im Sattel sitzt, bekommt man automatisch gute Laune“, erläutert Britta Gohl den gemeinsamen Durchhaltewillen. Insbesondere seien aber die vielen eindrucksvollen Begegnungen am Rande der Strecke motivierend gewesen. „Durch das Radfahren ist man sehr nahe an den Menschen. Man ist eher einer von ihnen, und nicht der Tourist, der im Bus vorbeirauscht“, unterstreicht Gohl. Durch den Besuch verschiedener Hilfsprojekte erhielten die beiden ehrenamtlichen „terre des hommes“-Mitarbeiter besonders intensive Einblicke in die Kultur und den Alltag der Einheimischen.

Grenzenloses Elend

Erschütternd sei etwa der Besuch in den Slums der kolumbianischen Landflüchtlinge gewesen: „Die Flüchtlinge schlafen teilweise zu viert in einem Bett. Das war vielleicht das blutigste Elend, das wir gesehen haben“, berichtet Simon Bösterling. Doch er und seine Freundin nahmen auch viel Ermutigendes von ihrer langen Reise mit: „Die Projektarbeit gibt einem immer wieder Hoffnung, weil man weiß, dass die Menschen dort in guten Händen sind“, unterstreicht der Gruitener. Ob sie noch einmal zu einer Fahrradreise aufbrechen werden, wissen Gohl und Bösterling noch nicht. Anderen können sie eine solche Erfahrung aber nur empfehlen: „Wenn jeder mit offenem Herzen reisen würde, sähe die Welt anders aus“, stellt Britta Gohl mit leuchtenden Augen fest.

Quelle: RP
 
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