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Auf Ein Wort Sonja Schüller
Einfach mal nachdenken - über das Glück

Hilden. Ich habe mir vorgenommen, mir einmal über mein Glück den Kopf zu zermartern, und möchte Sie zu dieser ungewöhnlichen Übung gerne auch einladen. Wie ich darauf komme? Nun, weil sehr viele Menschen in unserer Gesellschaft ein glückliches, zufriedenes und unversehrtes Leben nicht weiter zum Nachdenken bringt. Stellen sich aber Unglück, Verlust und Schmerz ein, sind sie wie vor den Kopf gestoßen und aus der Bahn geworfen.

Oder sind Sie etwa morgens schon einmal aufgewacht und haben sich verzweifelt gefragt, wie es kommt, dass Sie gesund und munter sind? Sind Sie denn schon einmal mitten am Tag in ein nicht enden wollendes Grübeln darüber verfallen, warum es den Menschen, an denen Ihnen etwas liegt, gut geht? Haben Sie sich schon einmal in einem glücklichen und erfolgreichen Moment in Ihrem Leben den Kopf darüber zermartert: Warum gerade ich, warum ausgerechnet das, und warum gerade jetzt? Manche Menschen fragen dann auch: Womit habe ich das verdient und wofür straft mich Gott mit diesem Leiden? Unser Unglück erschreckt uns und macht uns verzweifelt und wir lamentieren darüber - aber unser Glück verwundert uns oft nicht einmal. Zumutungen und Verluste oder Niederlagen im Leben empfinden wir als sinnlos - aber der Sinn von Glück leuchtet uns sofort ein, so dass wir oftmals kein Wort darüber verlieren.

Warum eigentlich? Ist es eine Selbstverständlichkeit für uns, wenn es uns und unseren Lieben gut geht? Denken wir denn, unser Glück immer jeweils selbst verdient zu haben? Es scheint fast so. Irgendetwas lässt uns offensichtlich davon ausgehen, dass Gutes eher in unser Leben gehört als Böses. Obwohl niemand uns je ein Leben in durchgehendem Glück versprochen hat. Keiner hat uns ununterbrochenen Erfolg zugesichert auf unserer Lebensreise und ebenso wenig eine Lebenszeit gänzlich ohne Verluste.

Sprüche wie: Das Leben ist eben kein Ponyhof, nimmt die Mischung von Gutem und weniger Gutem Erleben auf; allerdings auf eine fast schon sarkastische Weise. Wir sollen uns unsere Vorliebe für das Gute im Leben ja auch gar nicht abgewöhnen. Eine pessimistische Lebenshaltung, die jeden Moment ein neues Unglück erwartet, ist für Menschen ebenso wenig gesund wie Tag aus Tag ein von stetigem Glück auszugehen. Deshalb ja mein Vorhaben, mir einmal über mein Glück den Kopf zu zermartern, zu dem ich Sie einladen möchte.

Eine biblische Weisheit kann Ihnen dabei behilflich sein. Schreiben Sie sich doch einmal folgen Satz auf ein Blatt Papier: ALLES HAT SEINE ZEIT. Und dann lesen Sie ihn sich selbst vier Mal laut vor. Bei jedem Mal betonen Sie ein anderes dieser vier Worte und lassen sich danach ein wenig Zeit zum Nachdenken. Sich auf diese Weise den Kopf über das eigene Glück zu zermartern ist überhaupt nicht unangenehm, sondern sehr erhellend.

Quelle: RP
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