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Auf Ein Wort Sara Schäfer
Einfach mal sagen: "Es geht mir gut" - und dafür dankbar sein

Hilden. Eigentlich weiß ich genau, wie ich mich richtig verhalte: Ich soll nicht lügen, nett und hilfsbereit gegenüber meinen Mitmenschen sein und dankbar sein für das, was ich habe. Eigentlich ganz einfach - wäre da nicht diese kleine Stimme in mir, die mich und mein Verhalten immer wieder in Frage stellt: "Geht da nicht auch mehr?" "Warum grüßt du den Nachbarn denn noch, der dich immer nur anspricht, wenn er was zu meckern hat?" Diese kleine Stimme ist anstrengend, sie lässt mich nicht los, lässt mich nicht zur Ruhe kommen. Sie sorgt dafür, dass ich nicht einfach in Ruhe und zufrieden leben kann, obwohl es mir eigentlich gut geht. Sie verhindert, dass ich mich daran freue, dass ich gesund bin, dass ich in einem sicheren Land lebe, weder von Krieg noch von Hunger bedroht bin. Dass ich mich daran freue, dass ich liebe Menschen um mich habe, denen ich nicht egal bin und die mir am Herzen liegen. Es ist diese kleine Stimme, die in so vielen Menschen wohnt und die immer wieder Unzufriedenheit und Neid schürt, wo beide vollkommen fehl am Platz sind. Die dafür sorgt, dass Menschen sich auf einmal schief anschauen, einander kaum noch die Butter auf dem Brot gönnen - schon gar nicht dem Flüchtling in ihrer Nachbarschaft das Dach über dem Kopf und das (zumindest vorübergehende) Leben in Frieden. Es ist diese kleine Stimme, die einem die innere Ruhe rauben kann, weil sie einen nicht los lässt, weil man trotz überquellenden Kühlschranks einfach nicht satt wird. Die einen davon abhält, von Herzen sagen zu können "Es geht mir gut" und das auch so zu meinen. Die sich zwischen mich und das Bibelwort aus dem Propheten Micha stellt: "Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott." (Micha 6,8).

Denn eigentlich weiß ich, worauf es im Leben ankommt und muss dafür noch nicht einmal die Bibel und Gottes Gebote auswendig kennen. Solange ich mich so verhalte, wie ich von anderen behandelt werden möchte, kann ich nicht viel verkehrt machen.

SARA SCHÄFER IST PFARRERIN DER EVANGELISCHEN GEMEINDE HAAN.

Quelle: RP
 
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