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Hilden
Eisenbahn-Amt ermittelt Lärmbelastung

Eisenbahn-Amt ermittelt Lärmbelastung per Online-Befragung
Auf der Güterzugstrecke Duisburg - Opladen/Köln im Hildener Süden fahren täglich 85 und nachts rund 64 Güterzüge mit einer Länge von 200 bis 700 Metern und 80 bis 110 km/h vorbei. FOTO: Anja Tinter
Hilden. In Hilden sind weit mehr Bürger betroffen als bislang bekannt, sagt die Verwaltung. Online-Befragung bis 31. Mai. Von Christoph Schmidt

Das Eisenbahn-Bundesamt stellt einen Lärmaktionsplan für die Haupteisenbahnstrecken des Bundes außerhalb von Ballungsräumen auf. Darunter fallen auch die Eisenbahntrassen in Hilden. Betroffene können ihre persönliche Lärmbelastung aus Eisenbahnverkehr online übermitteln. Diese Möglichkeit besteht seit 15. April noch bis 31. Mai. Die Stadt Hilden wurde über die Öffentlichkeitsbeteiligung erst neun Tage nach dem Start informiert, berichtet Planungsamtsleiter Peter Stuhlträger.

Die von den Bürgern gemeldete Lärmbelastung hat zunächst keine Konsequenzen, schreibt das Eisenbahn-Bundesamt auf seiner Internetseite. Der erste Lärmaktionsplan des Eisenbahn-Bundesamtes werde keine konkreten Maßnahmen enthalten, sondern nur die "verschiedenen Bemühungen des Bundes zur Lärmminderung der ermittelten Lärmbelastung gegenüber stellen".

So werden die Hildener durch die Autobahnen 59, 46 und 3 (von links nach rechts) belastet. Je röter, um so höher die Lärmbelastung. FOTO: Stadt Hilden

Mit anderen Worten: Der Lärmaktionsplan des Eisenbahn-Bundesamtes ist ein Papiertiger. Gleichwohl will Stuhlträger heute Abend im Stadtentwicklungsausschuss die Politiker überzeugen, sich trotzdem als Stadt zu beteiligen: "Jeder Versuch, sich mit dem Thema zu beschäftigten, ist positiv. Die Deutsche Bahn und das Eisenbahn-Bundesamt haben sicher Trassen (etwa im Rheintal), die lärmbelasteter sind als unsere in Hilden. Das Beteiligungsverfahren bietet erneut die Möglichkeit, unsere Betroffenheit deutlich zu machen."

Das Eisenbahn-Bundesamt hat Lärmstatistiken für einzelne Gemeinden veröffentlicht - auch für Hilden. Lärm, der tagsüber 70 dBA und nachts 60 dBA überschreitet, gilt als gesundheitsgefährdend. Für diese Fälle sieht das Landesumweltministerium "dringlichsten Handlungsbedarf". Laut Eisenbahn-Bundesamt sind von solch krank machendem Lärm tagsüber 1040 und nachts 2650 Hildener belastet. "Diese Zahlen sind für uns neu", sagt der Planungsamtsleiter. Bei der Aufstellung des Aktionsplans Straßenverkehrslärm in Hilden hatten die Gutachter 2011 vorgeschlagen, keinen Lärmaktionsplan für Schienenverkehrslärm aufzustellen: Weil die Güterzugstrecke damals den Schwellenwert von mehr als 60 000 Züge pro Jahr unterschritt und nur wenige Anwohner der Eller-/Hülsenstraße betroffen seien. Wichtig: Die Lärmbelastung wurde nicht gemessen, sondern nach einem mathematischen Modell errechnet.

Die Bahn muss nur dann für Lärmschutz sorgen, wenn der Schienenweg neu gebaut oder wesentlich verändert wird, erläutert Lutz Groll, Verkehrsexperte im Rathaus: "Wenn mehr Züge verkehren, ist das keine wesentliche Veränderung." 2003 baute die Bahn eine 300 Meter lange Lärmschutzwand vom Bahnhof in Richtung Süden im Bereich Bahnhofsallee/Neustraße. Das war eine "freiwillige Leistung".

Damit ist der Lärmschutz im Hildener Süden aus Bahnsicht abgeschlossen. Zu mehr könne die Stadt die Bahn nicht zwingen, stellt Groll klar.

Quelle: RP
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