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Hilden
Erinnerungen an ein possierliches Tier

Hilden: Erinnerungen an ein possierliches Tier
2016 war Nemo die lebende Attraktion einer Otter-Ausstellung im Wilhelm-Fabry-Museum in Hilden. Im Jahr davor feierte er dort seinen zehnten Geburtstag. FOTO: Ralph Matzerath
Hilden. Kurzkrallenotter Nemo war in Hilden zu Hause und bekannt wie ein bunter Hund. Wir sagen: Ade! Sie auch? Von Gökçen Stenzel

Tiere zu vermenschlichen, mag ich nicht und möchte dem Eindruck entgegentreten, bevor der eigentliche Text überhaupt beginnt. In ihm wird es nicht um irgendein Tier gehen, sondern um ein besonderes, der seiner Art - den Kurzkrallenottern - geholfen und seine Heimat - Hilden - bekannter gemacht hat. Otter Nemo, der nun begraben ist, hat sich also verdient gemacht, gleichwohl natürlich nicht aus eigenem Antrieb. Sondern als eine Art Botschafter fürs Anliegen seines Ziehvaters Wolfgang Gettmann. Der hatte zuletzt, 2016, eine Ausstellung über Otter im Hildener Museum konzipiert, die viel öffentliche Aufmerksamkeit erregte.

Sie merken: Ich werde persönlich, und das ist selten. Hier und heute mache ich die Ausnahme von der Regel. Schließlich möchte ich ja von meinen persönlichen Begegnungen mit Nemo erzählen, deren erste weit zurückreicht. 2006 war sie, im Aquazoo, und dessen Leiter Wolfgang Gettmann stellte mir den jungen Otter vor. Eigentlich waren wir wegen eines ganz anderen Tiers verabredet - aber das ist jetzt nebensächlich. Aller Possierlichkeit zum Trotz machte Gettmann schon damals klar: Ein Haustier ist ein Otter nicht. Es braucht viel Wissen des Halters, Geduld und Zeit und artgerecht ist es für ihn kaum, in einem Menschenhaus zu leben. Fortan machte Nemo eine Schlagzeile nach der anderen, warb für den Aquazoo im allgemeinen und seine Gattung im besonderen. Gern verfolgte ich die Ausflüge an und in den Elbsee und war - Jahre später - verblüfft, Ehepaar Gettmann samt Hund und Nemo auf der Hildener Hundewiese wiederzusehen. Hier waren sie, ebenso wie wir, Dauergäste. Zuletzt war meine Freundin ganz verwundert, als wir mit unseren insgesamt drei Dackeln dem Otter ebenda begegneten: Was das denn für ein Tier sei, fragte die Freundin - die selbe Frage stellten sich wohl auch unsere Hunde, die das langschwänzige Wesen nicht einordnen konnten. Das war in der ersten Januarwoche, und Gettmann hatte nach dem plötzlichen Tod des Familienhundes Balu einen neuen Welpen neben sich.

Noch im Dezember war ich bei Ehepaar Gettmann zu Gast, um mir erzählen zu lassen, wie es um deren Weihnachtsrituale bestellt sei. Während ich das Wohnzimmer betrat, musste Nemo auf der Terrasse warten, seinem Revier. Kurz darauf durfte er herein - und sprang mir mit einem Satz auf den Arm. Dabei gab er seine lauten Pfiffe von sich und nagte ein bisschen an meiner Hand. Auf der Couch blieb er zwischen mir und meiner Tasche, um sie unauffällig und leise ein bisschen durchzuwühlen. Ade, Nemo!

Quelle: RP
 
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