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Hilden
Experten raten: Früh die Nachfolge regeln

Hilden: Experten raten: Früh die Nachfolge regeln
Michael Kleinbongartz (Industrieverein) und Bürgermeisterin Birgit Alkenings im Gespräch mit Gastreferent Michael Fuchs MdB (r.). FOTO: Ralph Matzerath
Hilden. "Wir kommen um ein neues Erbschaftssteuergesetz nicht herum", machte Michael Fuchs MdB beim Unternehmertag klar. Das sei aber kein Grund zur Panik. Von Christoph Schmidt

Michael Kleinbongartz, Vorsitzender des Hildener Industrie-Vereins, hatte es ausgerechnet: "Wenn ich unser Unternehmen geerbt hätte, müsste ich rund sieben Millionen Euro Erbschaftssteuer zahlen." Da mussten viele der rund 200 Gäste gestern beim Hildener Unternehmertag erst mal schlucken.

In so einem Fall bliebe kein Geld übrig, um zu investieren, sagte der Geschäftsführer der Kukko-Werkzeugfabrik: "Eine schlimme Perspektive." Deshalb habe er gemeinsam mit seinem Vater einen anderen Weg gefunden, um die Nachfolge im Unternehmen zu regeln. Das sei zwar aufwendig und anstrengend gewesen: "Erbschaftssteuer gezahlt habe ich aber nicht."

"Wir kommen um das Erbschaftssteuergesetz nicht herum", machte Gastredner Michael Fuchs, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU Fraktion im Bundestag klar. Das hat das Bundesverfassungsgericht den Politikern aufgegeben. Im Koalitionsvertrag sei vereinbart worden, dass auch durch die neue Regelung die Steuerbelastung für die Unternehmen nicht steigt, sagte Fuchs: "Mittelständische Familienunternehmen dürfen nicht in ihrer Existenz gefährdet werden. Dafür werden wir kämpfen."

Fuchs ist selbst erfolgreicher Gründer eines Großhandelsunternehmers: "Ich habe Vorsorge für meine Nachfolge getroffen - mit 40 Jahren. Es ist ihre Aufgabe als Unternehmer, sich damit zu beschäftigen - bevor der Erbfall eintritt." "Vor einem Jahr fand ich die Erbschaftssteuer für Unternehmer noch gut, heute sehe ich das anders", bekannte Andreas Duch (44). Inzwischen hat der ehemalige Angestellte mit Kollegen seine Firma, die Contura Laserschneiden GmbH, übernommen. Seine Tochter habe schon abgewinkt, wolle nicht in seine Fußstapfen treten, weil er so viel arbeite und so wenig Zeit für die Familie habe.

Die Erbschaftssteuer könne seinem Sohn die Firma verleiden, sorgt sich Duch. Marc-Oliver Köhler (40) versuchte, den Kollegen im Saal Mut zu machen. Sechs Jahre habe er gebraucht, um gemeinsam mit seiner Frau das Familienunternehmen Brüninghaus und Drissner zu übernehmen. Erbschaftssteuer sei dabei kein Thema gewesen: "Wir haben das Unternehmen gekauft. Es gibt Mittel und Wege. Es ist ein zäher Prozess, er ist teuer - aber es geht." Ironisch und eloquent warnte Köhler vor Panikmache und Alarmismus: "Ich habe recherchiert und keinen Fall gefunden, wo ein Unternehmen an der Erbschaftssteuer zugrundegegangen ist." Wenn die Nachfolge geregelt sei, "werden auch die Gespräche mit der Bank einfacher", hat Marc-Oliver Köhler festgestellt.

Quelle: RP
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