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Hilden
Fan zahlt für den Jazz seines Lebens

Hilden: Fan zahlt für den Jazz seines Lebens
Harald Degner sponsert das Konzert in der Reformationskirche.
Hilden. Der 66-jährige Harald Degner sponsert bei den Jazztagen das Gjertrud Lunde Quartett - als seine eigene Trauerfeier. Von Christoph Schmidt

Harald Degner war schwer krank. In den vergangenen zwei Jahren hat er mehr als sieben Monate in der Klinik verbracht. Und viel Zeit gehabt, das Ende seines Lebens zu bedenken: "Ich habe auch über eine Trauerfeier nachgedacht. Sie sollte nicht traurig, sondern lebensbejahend sein. Mit Live-Musik, möglichst Jazz, eine meiner Leidenschaften. Dann ist mir klar geworden: Ich habe keine Lust auf eine Trauerfeier, bei der ich nicht dabei bin. So entstand die Idee, meine Trauerfeier vorzuverlegen."

Und das soll bei den Hildener Jazztagen in der nächsten Woche geschehen. Degner sponsert ein Konzert des Gjertrud Lunde Quartetts am Fronleichnamstag (26. Mai) um 18.45 Uhr in der Reformationskirche. "Gjertrud ist eine liebe Freundin", erzählt der 66-Jährige: "Sie war von der Idee ganz begeistert." Für ihr Debütalbum hat die in Köln lebende Sängerin eine eindrucksvolle Sammlung von Songs über Heimreise und Heimkehr komponiert und norwegische Volkslieder und Psalme arrangiert. Es wurde weltweit von der Kritik gelobt. "All About Jazz" beschreibt ihre Musik als einen "Sirenengesang von wohltuender Schönheit, dem man schwer widerstehen kann" und wählte ihr Album "Hjemklang" (Ozella Music) als eine der besten Veröffentlichungen des Jahres 2014. Peter Baumgärtner ist künstlerischer Leiter der Hildener Jazztage. Er ist mit Degner befreundet: "Harald begleitet die Jazztage schon seit mehr als zehn Jahren als Fotograf. Wenn ich etwas für ihn tun kann, tue ich das gerne. Es wird ein Freudenkonzert, weil es Harald wieder besser geht." Die Reformationskirche als Veranstaltungsort hätten sie gemeinsam ausgesucht. Das Gotteshaus ist das Wahrzeichen Hildens. 1225 fertiggestellt als St.-Jacobus-Kirche war sie zunächst katholisch und wurde 1650 den Evangelischen zugesprochen. "Die Architektur verbindet symbolisch Himmel und Erde und zeigt der anwesenden Gemeinde, dass sie zwei Welten zugleich angehört", erläutert Pfarrer Ole Hergarten. "Wer den Raum auf sich wirken lässt, wird diese geheime Symbolik nachvollziehen können." Harald Degner ist nach eigenen Angaben nicht besonders religiös, findet aber: "Alles passt."

Gjertrud Lunde - Kritiker beschreiben ihre Musik als einen "Sirenengesang von wohltuender Schönheit, dem man schwer widerstehen kann". FOTO: Degner

Und wie haben die Freunde auf seine Einladung reagiert? "Das reichte von Blasphemie bis geile Idee", erzählt der selbstständige Diplom-Informatiker und Pressefotograf. "Etwa 40 Freunde haben schon zugesagt. Einer kommt sogar aus den USA." Degner ist Vorsitzender der Wählergemeinschaft Bürgergemeinschaft Langenfeld, Mitglied des Langenfelder Stadtrates und Mettmanner Kreistages - und seit vielen Jahren auch als ehrenamtlicher Richter am Landgericht Düsseldorf. Im vergangenen Jahr wurde er deshalb von NRW-Justizminister Thomas Kutschaty ausgezeichnet. Er hatte unter anderem eine geplante Operation verschoben, weil sonst ein Prozess "geplatzt" wäre. Degner: "Das wollte ich dem Angeklagten nicht zumuten."

Quelle: RP
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