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Hilden
Fast 50 Prozent Ausfall bei der Erdbeer-Ernte

Hilden. Die Zeit der roten Früchte neigt sich dem Ende zu. Viele Verbraucher haben sie schon abgeschrieben. Die Ernte war eine "Katastrophe", sagtMartin Dahlmann, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Mettmann. Von Heike Schoog

Bis Ende Juli/Anfang August werden jetzt noch Erdbeeren geerntet. Doch wer vor den Angeboten in Supermärkten und an Marktständen steht, mag kaum mehr zugreifen. Die Erdbeeren sind entweder klein und halbwegs preiswert, oder sie sind groß, lachen einen an und kosten um die vier Euro das Pfund. "Die Ernte in diesem Jahr war enttäuschend", bilanziert Monheims Landwirt Robert Bossmann. "Es gab viel zu viel Regen." Die wenigen Sonnentage retteten die Saison jetzt nicht mehr.

Für Bossmann ist die Saison dennoch halbwegs glimpflich abgelaufen. Er hat etwa fünf Hektar der süßen Früchtchen im Tunnel angebaut. "Die konnten wir fast zu hundert Prozent verkaufen", sagt er. Aber die Sorten, die auf den anderen zehn Hektar Freifläche gewachsen sind, konnten nur zu 50 bis 60 Prozent geerntet und verkauft werden. Das ist ein schlechter Schnitt, findet der Landwirt. Zumal das Pflücken mühseliger und zeitaufwendiger gewesen ist, als in den Vorjahren. "Die Pflücker zahlen wir trotzdem", sagt er. Denn die müssen auch den Ausschuss pflücken, damit die anderen Erdbeeren nicht faulen. "Macht hohe Lohnkosten für wenig Ertrag", rechnet Bossmann.

Daraus würden auch die vergleichsweise hohen Preise in diesem Jahr resultieren. Denn berechnet werden müssten die Produktionskosten, die im Schnitt bei einem Euro pro Pfund liegen, sowie die Lohnkosten, die je nach Pflückmenge zwischen 25 Cent und einem Euro variierten. "Bei geringer Ausbeute sind die hoch", sagt Bossmann. Dann könne das Pfund Erdbeeren in der Erzeugung schon zwei Euro Kosten. Hinzu kommen die Kosten für den Verkauf, die etwa bei 50 Cent pro Pfund liegen. "Und etwas müssen wir auch noch verdienen", so Bossmann. Auch Markus Weeger, der seine Felder an der Stadtgrenze zu Hilden betreibt, klagt über eine schlechte Ernte. "Fast 50 Prozent haben wir umsonst gepflückt", sagt Weeger. In diesem Jahr sei die Ernte aufgrund der fehlenden Sonne nicht nur mengenmäßig hinter den Erwartungen zurückgeblieben, sondern auch geschmacklich. "Das Aroma war nicht so ausgeprägt wie sonst." Jetzt, gegen Ende der Erntezeit, würden es wieder besser, dafür aber auch teurer. "Die Kunden haben die Erdbeerzeit ohnehin schon abgeschrieben", glaubt Weeger.

Er hat im vergangenen Jahr auf 4,5 Hektar Land Erdbeeren gepflanzt. Er hat nur Freilanderdbeeren. "Einige Felder haben wir gar nicht mehr abernten können, weil wir nicht mehr hintergekommen sind mit dem Aussortieren der faulen Früchte." 20 Pflücker hat er auf seinen Feldern beschäftigt. Die wollen - mit Mindestlohn - bezahlt werden. Dennoch bleibt Weeger optimistisch. Die neuen Pflänzchen sind schon gesetzt. Bossmann hat die Hälfte seiner Verkaufsstände bereits abgebaut. "Das Ende der Saison ist in Sicht", sagt er. Selbst gepflückt werden kann bei ihm nur noch an den Wochenenden. Martin Dahlmann, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Mettmann, pflichtet ihm bei. "Die Erdbeer-Ernte war eine Katastrophe".

Quelle: RP
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