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Claudia Ledzbor
Fast alle Viertklässler können schwimmen

Claudia Ledzbor: Fast alle Viertklässler können schwimmen
Bereits in den städtischen Kindergärten gibt es ein Jahr vor Beginn der Schule kostenfreie Wassergewöhnungskurse. Pro Kindergartenjahr nehmen daran etwa 50 Schulanfänger teil. FOTO: Stadt Hilden
Hilden. Lebensrettend: Seit 2007 fördert die Stadt Hilden systematisch die Wassergewöhnung in ihren Kitas und Grundschulen.

Nach einer Befragung der DLRG können fast 45 Prozent aller Kinder nach der Grundschule nicht oder nicht richtig schwimmen. Trifft das auch auf Hilden zu?

Ledzbor Über 90 Prozent der Viertklässler in Hilden können schwimmen.

Woher wissen Sie das?

Ledzbor Wir befragen seit einigen Jahren regelmäßig alle Zweit- und alle Viertklässler, um ihre Fitness zu ermitteln. Dabei fragen wir auch nach der Schwimmfähigkeit: "Wie weit kannst Du schwimmen?" Wenn die Kinder mehr als 200 Meter schwimmen können (Bronze-Abzeichen), können die Kinder für uns sicher schwimmen. Sagen die Kinder nein, sind sie keine sicheren Schwimmer.

Claudia Ledzbor leitet das städtische Sportbüro. FOTO: Olaf Staschik

Was passiert mit Kindern, die nicht sicher schwimmen können?

Ledzbor Wir schreiben Sie und ihre Eltern persönlich an und laden sie zu Schwimmförderkursen ein, die von der Stadt finanziert werden. Das machen wir übrigens schon seit 2007 - viel früher als andere Kommunen.

Wie reagieren die Kinder und ihre Eltern?

Ledzbor Sehr positiv. Praktisch allen nehmen unser Angebot an. Zwischen 2012 und 2014 haben auf diese Weise knapp 300 Kinder in städtischen Kursen das Schwimmen gelernt. 250 haben im ersten Anlauf ihr Seepferdchen bestanden. Die übrigen 50 waren noch nicht so weit und haben weitere Schwimmkurse besucht. Bei uns verlässt kein Kind die städtischen Schwimmkurse ohne Seepferdchen-Abzeichen - es sei denn auf eigenen Wunsch. Darüber hinaus müssen die Kinder Übungen bestehen, die zur Erlangung der Sicherheit im Wasser beitragen. Danach werden die Kinder motiviert, ihre Schwimmfähigkeit in weiteren Kursen zu optimieren und mindestens das Bronze-Abzeichen zu machen.

In anderen Städten ist der Anteil der Kinder, die nicht schwimmen können, viel höher. Was macht Hilden anders?

Ledzbor Wir setzen nicht erst in den Grundschulen, sondern bereits viel früher in den Kindergärten an. Um schwimmen zu lernen, müssen Kinder Erfahrungen mit Wasser sammeln. Da sind die Eltern gefragt. Deshalb sprechen wir Mütter und Väter in den Kindergärten an und geben ihnen Tipps, wie sie ihre Kinder an Wasser gewöhnen können.

Wie sieht das praktisch aus?

Ledzbor Papa und Mama geben Sicherheit. Sie können ihren Kindern zeigen: Duschen ohne Waschlappen vor den Augen ist nicht schlimm. Leg Dich mal aufs Wasser: Es trägt Dich. Zusammen durch Wasser waten: Es gibt da viele Übungen, mit denen Eltern ihren Kindern helfen können.

Gibt es Wassergewöhnungskurse?

Ledzbor Ja, in den acht städtischen Kindergärten (in Hilden gibt es 26 Kindertageseinrichtungen) bieten wir ein Jahr vor Beginn der Schule kostenfreie Wassergewöhnungskurse an. Ein Kurs für maximal sieben Kinder mit acht bis zwölf Übungseinheiten. Im Schnitt nehmen pro Kindergartenjahr etwa 50 Schulanfänger daran teil. Die Resonanz bei den Eltern ist super. Manche haben keine Zeit, ihren Kindern das Schwimmen beizubringen, anderen fehlt das Geld oder sie sind alleinerziehend. Wir achten darauf, dass nur die Kinder teilnehmen, die das auch wirklich brauchen.

Dann müssten doch die meisten Grundschüler schon schwimmen können?

Ledzbor Unsere Befragung zeigt: In der zweiten Klasse gibt es immer noch etwa 20 bis 25 Prozent Nichtschwimmer. Das hört sich viel an. Man muss aber bedenken: In der Schule wird Schwimmen erst ab der dritten und in der vierten Klasse unterrichtet. Beim Test der Viertklässler sinkt der Anteil der Nichtschwimmer auf unter zehn Prozent.

Wie schaffen Sie das?

Ledzbor Wir haben ein dichtes Netzwerk gebildet. Wir haben gut ausgebildete Schwimmlehrer an den Schulen. Wir haben viele Vereine, die sich um's Schwimmen kümmern. Die Stadt bezahlt zusätzliche Schwimmlehrkräfte, die die Schule unterstützten und sich speziell um unsichere Schwimmer kümmern. Und die Stadtwerke Hilden unterstützen uns vorbildlich, wenn es um Schwimmzeiten im Hildorado geht.

Wie teuer ist dieses Schwimm-Programm für die Stadt Hilden?

Ledzbor Weniger als 10 000 Euro im Jahr. Dafür können über 90 Prozent aller Viertklässler in Hilden sicher schwimmen. Das ist für uns übrigens nicht ausschließlich Sportförderung, sondern auch eine lebensrettende Maßnahme.

Dann können sich also die Eltern in Hilden beruhigt zurücklehnen. Sie kümmern sich ja um alles.

Ledzbor Das ist keine gute Idee. Kinder lernen nur dann Schwimmen, wenn sie an Wasser gewöhnt sind. Wassergewöhnung ist keine Aufgabe der Kita oder der Schule, sondern der Eltern. Sie sollten auch Sorge dafür tragen, dass ihre Kinder sicher schwimmen lernen. Was wir als Stadt machen, ist nur ein Notprogramm für die Kinder, bei denen das aus welchen Gründen auch immer nicht geklappt hat.

Was ist das beste Alter für Kinder, um Schwimmen zu lernen?

Ledzbor Vier bis fünf Jahre ist ein gutes Alter, davor ist es meist zu früh.

CHRISTOPH SCHMIDT STELLTE DIE FRAGEN.

Quelle: RP
 
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