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Hilden
Feierstunde für Anne de Wendt

Hilden. Ihr Engagement für Flüchtlinge hat der Presbyterin nun den Förderpreis Integration gebracht. Von Daniele Funke

Es ist die bereits die zweite große Ehrung für Anne de Wendt binnen weniger Wochen: Erst im Januar wurde sie von Bundespräsident Joachim Gauck im Schloss Bellevue empfangen und für ihr außergewöhnliches Engagement zugunsten des Gemeinwohls ausgezeichnet. Eine Entscheidung, die die Stadt Hilden nicht nur nachvollziehen, sondern mit der Vergabe des Förderpreises Integration unterstreichen kann. "Sie, Frau de Wendt, sind immer da, Sie motivieren die anderen Flüchtlingshelfer schier unermüdlich, Sie organisieren, Sie sind Ansprechpartner für alle Belange über Ihren Dienst hinaus", lobte Bürgermeisterin Birgit Alkenings in der nahezu überfüllten Eingangshalle der Stadtbücherei. Es ist bereits das 8. Mal, dass die Stadt den Förderpreis für Integration verleiht.

Anne de Wendt wurde in Hannover geboren, hat lange in Hochdahl gewohnt und lebt seit zwölf Jahren in Hilden. Die ehemalige Verkaufsleiterin einer schwedischen Werkzeugfirma ist verwitwet, hat drei Töchter und vier Enkelkinder. Ihre Zusatzausbildung zur Notfallseelsorgerin hilft ihr heute dabei, die belastenden Schicksale "ihrer" Flüchtlinge selbst besser verarbeiten zu können. "Die Menschen sind über das Wasser gekommen, sind dem Krieg entflohen, ich trage ein regelrechtes Buch in meinem Herzen mit unzähligen traumatischen Geschichten. Durch meine Notfallseelsorgertätigkeit habe ich gelernt, mich abgrenzen zu können."

In ihrem "Camp", in der Albert-Schweizer-Schule, kümmert sie sich täglich um die Menschen. "Ich mache das nicht alleine, sondern wir sind ein Dreigespann aus Verwaltung, den Johannitern und Ehrenamtlichen", schwärmt die 68-Jährige in ihrer Dankesrede. Ein junger Syrier im Publikum steht auf, kann sich den Lobesworten über die Preisträgerin nur anschließen. In beeindruckendem Deutsch erzählt der ausgebildete Arzt, wie dankbar er ist. "Ich lebe seit fünf Monaten in Hilden. Frau de Wendt hat allen geholfen, die Schule und Deutschkurse organisiert, vielen Dank."

Es ist ein bewegender Moment, als zur Überraschung der Preisträgerin "We are the world" angestimmt wird und fast alle der weit über hundert Gäste mitsingen. Sichtlich gerührt fasst Anne de Wendt noch einmal zusammen, was ihr ganz persönlicher, größter Wunsch wäre. "Die Menschen hier sollten sich Folgendes klar machen: Es ist einfach ein unfassbares Glück, dass wir hier in einem sicheren Land und nicht ein paar Breitengrade weiter geboren wurden. Anderenfalls wären es wir, die auf Hilfe angewiesen wären. Wir wollen in Frieden leben."

Quelle: RP
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