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Hilden
Feuerwehr-Chef kommt nicht zurück

Großbrand: Feuerwehrmänner schwer verletzt
Großbrand: Feuerwehrmänner schwer verletzt FOTO: Staschik, Olaf
Hilden. Vor gut einem Jahr wurde Bernhard Janeck bei einem Großbrand schwer verletzt. Er möchte jetzt ausscheiden. Von Christoph Schmidt

In der Nacht zum 14. September 2014 hat sich das Leben von Bernhard Janeck von einem Augenblick auf den anderen radikal verändert. Bei dem Großbrand an der Herderstraße wird der Chef der Hildener Feuerwehr gemeinsam mit zwei Kameraden durch eine Stichflamme schwer verletzt.

"Bis zum Rettungswagen habe ich noch alles mitbekommen", erzählt er jetzt, gut ein Jahr nach dem schrecklichen Unglück. Trotz Schutzkleidung hat er Verbrennungen dritten Grades an Kopf und Beinen erlitten. Der damals 58-jährige Familienvater wird in eine Spezialklinik gebracht. Die Ärzte versetzen ihn in ein künstliches Koma - gut vier Wochen lang.

Im September 2014 standen Gewerbehallen an der Herderstraße in Flammen. Die Feuerwehr löschte die ganze Nacht und darüber hinaus. FOTO: Staschik

"Als ich aufwachte, war meine erste Frage: Was ist mit den Jungs?" Denen geht es - den Umständen entsprechend - gut. Janeck war am schwersten verletzt. Er musste sich langsam ins Leben zurückkämpfen. "Auf der Schwerverbrannten-Station gibt es keine Spiegel. Ich weiß jetzt, warum. Als ich mich das erste Mal im Spiegel gesehen habe, bin ich vor mir selber erschrocken." Nein, Alpträume habe er nicht: "Ich habe den Einsatz noch einmal durchlebt. Ich war zur falschen Zeit am falschen Ort." Äußerlich sieht man dem Feuerwehr-Chef das Unglück nicht mehr an. Nur seine Hände sind noch immer in ihrer Beweglichkeit beeinträchtigt.

Bernhard Janeck bedankt sich für die große Anteilnahme - die Herzlaufgruppe sammelte zwei 20 Meter lange Tapetenrollen mit Grüßen und Danksagungen für die Feuerwehrleute und ihre verletzten Kameraden: "Das war unglaublich toll und tut so gut. Ich habe so viele Genesungswünsche bekommen, dass ich sie noch gar nicht alle beantworten konnte."

Mindestens zwei Operationen stehen noch aus. Im September 2016 erreicht der Feuerwehr-Chef die Altersgrenze von 60 Jahren: Dann ist für Berufsfeuerwehrleute Schluss. Deshalb hat er jetzt - auf Rat seiner Ärzte - um die Pensionierung gebeten: "Ich wäre so gern zurückgekommen. Aber der Dienst macht keinen Sinn mehr." Das können Erster Beigeordneter Norbert Danscheidt und Birger von Gehlen, Janecks Stellvertreter und seit einem Jahr kommissarischer Wehrleiter, gut verstehen.

Die Stadt Hilden sucht einen neuen Amtsleiter für die hauptamtliche Wache mit rund 50 Berufsfeuerwehrleuten, erläutert Danscheidt: "Es wird eine interne Neubesetzung geben. Wir sind im Gespräch." Daneben muss ein neuer Wehrleiter gefunden werden. Der Kreisbrandmeister wird sich bei den gut 100 Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr Hilden umhören und dann dem Stadtrat einen Vorschlag machen, erläutert von Gehlen das Verfahren. Bernhard Janeck hatte beide Aufgaben in seiner Person vereint. Bis auf Wülfrath und Heiligenhaus ist das in allen Kreis-Städten so. "Wir sind alle traurig, dass er nicht weitermachen kann", sagt Birger von Gehlen. "Ein Vollblut-Feuerwehrmann. Schade, dass er auf diese Weise aufhören muss. Aber am wichtigsten ist, dass er wieder ganz hergestellt ist." "Ich bin und bleibe ein Mitglied der Hildener Feuerwehr-Familie", sagt Bernhard Janeck: "Wir haben eine tolle Kameradschaft. Ich gehe immer wieder gerne hin."

www.rp-online.de/hilden

Quelle: RP
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