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Hilden
Feuerwehrchef fühlt sich gut gerüstet

Hilden: Feuerwehrchef fühlt sich gut gerüstet
Hans-Peter Kremer begann bei der Henkel-Werksfeuerwehr. Seit 1997 gehört er der Berufsfeuerwehr Hilden an. 2008 stieg er in den gehobenen Dienst auf und war schon seit längerem als Nachfolger von Bernhard Janeck "ausgeguckt". FOTO: ola
Hilden. Bürgermeisterin Birgit Alkenings hat Hans-Peter Kremer ernannt und seinen Vorgänger Bernhard Janeck verabschiedet Von Christoph Schmidt

Der Stadtrat hat Hans-Peter Kremer einstimmig für sechs Jahre zum Leiter der Hildener Feuerwehr gewählt. Zuvor überreichte Bürgermeisterin Birgit Alkenings seinem Vorgänger Bernhard Janeck die Entlassungsurkunde. Ein bewegender Moment: Alle haben einen Kloß im Hals, auch die Bürgermeisterin. In der Nacht zum 14. September 2014 war Janeck gemeinsam mit zwei Kameraden bei einem Großbrand an der Herderstraße in eine Feuerhölle geraten. Der damals 58-jährige Familienvater wird am schwersten verbrannt. "Du bist dem Tod quasi von der Schippe gesprungen", sagt Alkenings: "Ich, wir sind sehr erleichtert, dass es allen wieder gut geht." Die Ratsleute applaudieren - minutenlang. Bernhard Janeck trägt seine schwarze Feuerwehr-Uniform und Base-Cap. Er scheint bis auf die Hände äußerlich unversehrt. Janeck war und ist kein Mann großer Worte. Man sieht ihm an, dass er sich freut. Er winkt mit dem riesigen Blumenstrauß, den ihm die Bürgermeisterin überreicht hat, und sagt einfach nur: "Vielen Dank und Tschüss."

Hans-Peter Kremer hat seine Ausbildung 1993 bei der Werksfeuer von Henkel gemacht. 1997 wechselte er zur Berufsfeuerwehr Hilden. 2008 stieg er dort in den gehobenen Dienst auf. Dafür musste er noch einmal eineinhalb Jahre in Vollzeit die Schulbank drücken. Kremer war schon als Nachfolger für Janeck ausgeguckt worden, der im September 2016 mit 60 Jahren aus dem aktiven Dienst ausgeschieden wäre. Auf Rat seiner Ärzte bat er um vorzeitige Pensionierung: "Ich wäre so gern zurückgekommen. Aber der Dienst macht keinen Sinn mehr." Einige Operationen stehen bei ihm noch aus. Dass mit Kremer ein Nachfolger bereitstand, ist für Dezernent Norbert Danscheidt ein Glück. Denn die Stadt wollte - wie schon bei Bernhard Janeck - zwei Funktionen in einer Person vereinen: Amtsleiter der hauptamtlichen Wache und Wehrleiter.

Großbrand: Feuerwehrmänner schwer verletzt FOTO: Staschik, Olaf

"Die Feuerwehr in Hilden ist sowohl personell als auch technisch gut aufgestellt", stellt ihr neuer Leiter fest: "Zum 1. April und zum 1. Oktober werden wir jeweils drei Auszubildende einstellen." Mehr als 60 junge Leute haben sich beworben. Die Einsatzzahlen für dieses Jahr hat Kremer noch nicht ausgewertet. Erkennbar sei: "Die Einsätze im Rettungsdienst steigen weiter kontinuierlich an, Brandeinsätze werden eher weniger." Im vergangenen Jahr führte die Feuerwehr 4349 Krankentransporte durch, 2243 Rettungstransporte und fuhr 2354 Mal den Notarzt zu einem Einsatz.

Der Großbrand an der Herderstraße 2014 interessiert Feuerwehren in ganz Deutschland. "Wir werden zu Vorträgen eingeladen, zuletzt in München", berichtet Kremer. Warum? "So eine Explosion hat es in Deutschland noch nie gegeben." Die Ursache des Großbrandes konnte nicht restlos geklärt werden. Sicher sei, dass das Feuer in der Nähe von Lithium-Ionen-Batterien ausbrach, die dort dicht gepackt auf Paletten lagerten. Bei thermischer Belastung kann es zu einem inneren Kurzschluss mit schlagartiger Energiefreisetzung (Erhitzung, Entflammung) kommen. "Durch eine Verkettung von mehreren Zufällen ist der Graphit-Kern der Batterien pulverisiert worden. Und als genug Energie da war, ist diese Graphit-Wolke explodiert. Das ist die wahrscheinlichste Theorie." Ein Reporter habe die Explosion zufällig gefilmt. "Daher wissen wir, dass die drei verletzten Kollegen 28 Sekunden in einem Feuerball standen", berichtet Kremer. "Die Ausrüstung ist für acht Sekunden Beflammung ausgelegt." Sein Fazit: "Bei jedem Einsatz bleibt ein Restrisiko."

Kremer, seine Partnerin und ihre zwei Kinder sind seit 1996 "glückliche Hildener". Der 44-Jährige ist Karnevalist (seit drei Jahren Geschäftsführer der Musketiere), ein guter Koch und leidenschaftlicher Griller: "Ich stehe auch schon mal nachts um drei auf und lege Kohlen für Pulled Pork nach." Das ist die Königsdiziplin des klassischen US-Barbecues. Schweineschulter oder -nacken wird 20 Stunden oder länger im Smoker-Grill bei niedrigen Temperaturen gegart - bis die Fasern zerfallen. Dann kommt das Pulled Pork mit leckeren Saucen auf einen Burger. Genial lecker, schwärmt Kremer. Kein Zweifel: Der Mann hat's mit dem Feuer.

Quelle: RP
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