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Hilden
Finanzierung über Crowdfunding

Hilden: Finanzierung über Crowdfunding
Bagger räumen das Gelände des ehemaligen Hildener Jugendzentrums "Jueck" frei. Dort soll Wohnraum entstehen. FOTO: Olaf Staschik
Hilden. Die Crowdinvesting- Plattform "Zinsland" will über eine so genannte "Schwarmfinanzierung" 750 000 Euro einsammeln. Von Christoph Schmidt

Der Abriss des ehemaligen Jugendzentrums "Jueck" an der Ecke Heiligenstraße/Am Kronengarten hat begonnen. Die Düsseldorfer Baufirma Tecklenburg errichtet dort und auf einem Nachbargrundstück einen Neubau mit 16 Wohnungen (ab 2800 Quadratmeter aufwärts), 21 Tiefgaragenplätzen und Ladenlokalen im Erdgeschoss. Im 3. oder 4. Quartal des kommenden Jahres soll das Objekt fertig sein. "Über 30 Prozent sind verkauft", so Tecklenburg-Projektleiter Nikolaus Bosnic.

Ungewöhnlich ist die Finanzierung. Die Online-Crowdinvesting-Plattform "Zinsland" (www.zinsland.de) sucht Anleger für den "Kastanienhof". Sie können sich ab 500 Euro beteiligen - das ist für ein Projekt dieser Größenordnung neu. Pro Jahr erhalten die Anleger 6,5 Prozent Zinsen - bei einer Laufzeit von 18 Monaten. 750,000 Euro will das Unternehmen auf diese Weise einsammeln, erläutert Geschäftsführer Carl von Stechow. Knapp 272.000 Euro seien bereits zusammen. Der "Kastanienhof" ist das erste Projekt der Plattform, die erst im Oktober vergangenen Jahres an den Start gegangen ist. Sie firmiert unter Civium GmbH mit Sitz in Hamburg.

Warum die kurze Laufzeit? In 12 Monaten seien die Eigentumswohnungen in der Regel verkauft. 6,5 Prozent Zinsen: ein verlockendes Angebot angesichts von Mini-Sparzinsen für Spareinlagen. Die Zinsen stünden im "Verhältnis zu Risiko", erläutert von Stechow. Die Anleger geben der Projektgesellschaft ein "endfällig verzinstes Nachrangdarlehen". "Theoretisch ist ein Totalausfall möglich", räumt Carl von Strechow ein. Darauf weist Zinsland auch auf seiner Internetseite hin. Die Kreditnehmer dürfen im Krisenfall Zahlungen aussetzen, um eine Insolvenz zu vermeiden. Kommt es doch zur Pleite, werden zunächst alle anderen Gläubiger abgefunden. Das bedeutet "nachrangig". Praktisch heißt das: Für solche Anleger bleibt in der Regel nichts mehr übrig. 80 Prozent des Investitionsvolumens von rund sieben Millionen Euro würden über Banken finanziert, zehn Prozent von Tecklenburg und zehn Prozent über Anleger. "Zinsland" ist nur der Vermittler. Kosten für die Anleger entstünden nicht, von Stechow: "Wir lassen uns von den Entwicklern bezahlen."

"Crowdinvesting ist eine unternehmerische Beteiligung", betont Thomas Pfister, Fachmann für Finanzdienstleistungen von der Verbraucherzentrale NRW: "Das ist eine risikobehaftete Geldanlage und taugt nicht für die Altersvorsorge. Dafür kann man nur Geld einsetzen, dessen Verlust man gegebenenfalls auch verschmerzen kann." Selbst garantierte Zinsansprüche seien wenig wert, wenn das Unternehmen sich verkalkuliert hat und daher keine Gewinne erwirtschaftet, warnt Pfister.

Anleger sollten die Prognosen daher genau unter die Lupe nehmen. Vor Ablauf der Mindestlaufzeit kommen sie nicht an ihr Geld heran. Die Zinseinnahmen zählen als Einkünfte aus Kapitalvermögen. Es fallen 25 Prozent Abgeltungssteuer plus Solidaritätszuschlag und zudem gegebenenfalls Kirchensteuer an. Crowdinvesting wird unter anderem vermehrt von vielen Start-Up-Unternehmen genutzt, die oftmals mit neuen Produkten auf ihre Chance am Markt hoffen.

Quelle: RP
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