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Hilden/Haan
Flüchtlinge bringen Städte ans Limit

Flüchtlinge in Hilden und Haan bringen Städte ans Limit
Rund 150 neue Flüchtlinge trafen gestern in der Erstaufnahme-Einrichtung in der früheren Albert-Schweitzer-Schule ein. Sie werden hier ihre ersten Wochen in Deutschland verbringen, registriert und medizinisch untersucht. FOTO: Staschik
Hilden/Haan. Immer mehr Flüchtlinge suchen in Deutschland Zuflucht. Das bekommen auch die Städte Hilden und Haan zu spüren. Die RP beleuchtet die Situation. Von Christoph Schmidt

Hilden beherbergt 313 Asylsuchende in kommunalen Unterkünften und 150 weitere Flüchtlinge in der ehemaligen Albert-Schweitzer-Schule. Sie ist eine Erstaufnahme-Einrichtung, die die Stadt für das Land binnen 24 Stunden zur Verfügung stellen musste. Die 150 Bewohner wurden gestern abgeholt und ebenso viele neu nach Hilden gebracht. Das Provisorium soll laut Bezirksregierung nur bis 15. Oktober genutzt werden.

Daran glaubt Sozialdezernent Reinhard Gatzke nicht mehr: "Zehn große kreisfreie Städte mussten weitere 300 Asylbewerber aufnehmen. Dort ist von sechs Monaten Aufenthalt die Rede." Die Erstaufnahme-Einrichtung wird auf Hildens Aufnahmequote angerechnet. Gatzke erwartet trotzdem weitere Zuweisungen von Flüchtlingen: "Die vorhandenen Plätze reichen nicht aus." Deshalb tritt der Sozialausschuss am 16. September zu einer Sondersitzung zusammen. Gatzke wird Vorschläge machen, wo und wie weitere Flüchtlinge untergebracht werden können. Die Krankenkassen sind bereit, die Flüchtlinge zu versichern. Seit gestern liegt ihr Angebot vor. Die Kassen wollen acht Prozent des Aufwandes als Serviceentgelt.

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"Da müssen wir erst mal nachrechnen, was uns das kostet", sagt Gatzke: "Am besten wäre eine kreisweite Lösung." Die geplante Bebauung des Schweitzer-Geländes wird durch die Erstaufnahme erst einmal nicht blockiert. Die Stadt hat die ersten Häuser entlang der Lindenstraße ausgeschrieben.

Haan hat aktuell (Stand: 27. August) 302 Asylsuchende aufgenommen: 260 leben in Übergangsheimen, 42 in Wohnungen. Rund 50 Prozent kommen aus Balkanländern mit einer minimalen Chance auf Anerkennung. Um zusätzliche Plätze zu schaffen, will die Verwaltung das Rockwell-Gebäude in Gruiten für 1,5 Millionen Euro kaufen.

Dafür muss Kämmerin Dagmar Formella Geld einsetzen, das eigentlich für den Neubau des Gymnasiums (750 000 Euro) und die Erweiterung der Grundschule Gruiten (550 000 Euro) eingeplant war. Die Grundschule Gruiten kann dadurch erst nach 2017 in Angriff genommen werden. Damit haben besonders CDU, SPD und WLH große Bauchschmerzen - und vertagten eine Entscheidung in den Stadtrat am 8. September. Der Neubau des Gymnasiums ist bereits genehmigt, erläuterte Formella.

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Bei der Grundschule Gruiten ist das anders. Die Gewerbesteuer, eine der wichtigsten Einnahmequellen der Stadt, wird nicht so viel einbringen wie für 2016 geplant, berichtet die Kämmerin. Auf die Frage, ob im Etat an anderer Stelle 1,5 Millionen Euro eingespart werden können, sagt sie ganz klar "Nein". Meike Lukat sieht das anders, will bei Kanalbaumaßnahmen Gelder freimachen. Bürgermeister Knut vom Bovert hofft, dass ein Teil der versprochenen Milliarden des Bundes für die Flüchtlinge auch tatsächlich in Haan ankommt: "Dann können wir die Projekte auch verwirklichen."

Quelle: RP
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