| 00.00 Uhr

Postskriptum Die Woche In Unserer Stadt
Frauen und die Betreuung - ein komplexes Kapitel

Hilden. Studien belegen: Mädchen sind in der Schule besser, im Studium schneller als Jungs. Wenn Kinder kommen, gehen sie trotzdem nicht arbeiten. Sondern gerne mit den Babys in ein neues Hildener Café. Von Gökçen Stenzel

Der Mittelstand des Kreises Mettmann hat sich über das aktuelle Urteil des Bundesverfassungsgerichts gefreut, Es sei das richtige Signal, das Betreuungsgeld für Eltern zu kippen, die ihr Kind nicht in eine Einrichtung geben. Die SPD legt nach: Das Geld soll jetzt zügig für den Ausbau von Kitas genutzt werden. Beide gehen davon aus, dass es nur bessere Betreuung geben muss, damit junge Mütter arbeiten gehen. Die Annahme ist irrig.

In Hilden ist das an einem neuen Café für "Familienmanager" - so der Untertitel des Namens - ablesbar. Es ist stark nachgefragt, allerdings sind die Manager ausschließlich weiblich. Mütter um die 30, 35 Jahre sind es, die hier mit Babys und Kleinkindern und Gleichgesinnten frühstücken. Sie sind nicht berufstätig, weil sie sich um ihre Kinder kümmern wollen. Die Väter bringen das nötige Geld heim. Nach einer Teilung der Haus- und Erziehungsarbeit sieht das nicht aus, ganz im Gegenteil. Der Rückzug der jungen, gut ausgebildeten Frauen ins Private hat eine politische Dimension, die man auch mit Sprengkraft umschreiben könnte. Der Gesetzgeber hat schließlich schon vor Jahren dafür gesorgt, dass es keine Versorgung der Frauen nach einer Scheidung mehr gibt. Nur noch bis zum vierten Lebensjahr des Kindes maximal, Ausnahmen bestätigen die Regel. Es gibt also einen gewichtigen Unterschied zu den 50er Jahren, als das beschriebene Familienmodell gängig war. Damals musste der Ex-Mann auch für die Ex-Frau weiter Unterhalt zahlen, inzwischen gibt es das nur noch für das Kind. Der Gedanke dahinter war, dass erwachsene Frauen heutzutage für sich selbst sorgen können. Und dies bitte auch sollen: Damit stehen sie dem Arbeitsmarkt, der nach ausgebildeten Kräften händeringend sucht, zur Verfügung. Nun stellt sich heraus, dass es gerade diese Frauen sind, die gar nicht arbeiten gehen wollen. Ob mit oder ohne Betreuungsgeld - sie wollen Kinder kriegen und sie selbst erziehen und heranwachsen sehen. Den Kindern, auch das zeigen Studien, geht es gut dabei. Die Frauen sehen ebenfalls sehr zufrieden aus. Also alles paletti?

Nein. Dieser Rückzug ins Private ist problematisch, weil auch die finanzielle Absicherung über den Moment hinaus damit zur privaten Angelegenheit wird. Es ist Fakt, dass viele Männer sich von der Familie trennen, wenn die Kleinen aus dem Gröbsten heraus sind. Und: Wo bleiben die jungen Väter bei dieser Geschichte? Wollen sie wirklich nicht mehr Einfluss auf die Entwicklung ihrer Kinder nehmen? Im Hildener Café sitzen sie jedenfalls nicht.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Postskriptum Die Woche In Unserer Stadt: Frauen und die Betreuung - ein komplexes Kapitel


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.