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Gruiten
Funde stellen Gruitens Geschichte in Frage

Gruiten. Die Ausgrabungen an St. Nikolaus erweisen sich als wegweisend, Historiker suchen Antworten. Der Verein sorgt sich um das Geld. Von Sabine Maguire

Vier Skelette, ein altes Fundament und Steinplatten aus dem Fußboden der früheren Kirche: Mit diesen spektakulären Funden wurden die archäologischen Ausgrabungen rings um den Nikolausturm mittlerweile abgeschlossen. "Wir mussten natürlich damit rechnen, dass in der Nähe des Turms auch Bestattungen stattgefunden haben und wir dort auf Knochenreste stoßen", sagt Lothar Weller. Dass es allerdings derart sensationell werden würde, hätte auch der Vorsitzende des Bergischen Geschichtsvereins Haan nicht geglaubt.

"Eines der Skelette lag so nah an den Fundamenten, dass der nicht mehr auffindbare Schädel unter dem Turm gelegen haben muss", berichtet Weller von den Ausgrabungen, die schon seit dem ersten Knochenfund von einem Archäologen begleitet wurden. "Das könnte bedeuten, dass dort schon vor dem Bau des Nikolausturms eine Kirche gestanden hat, um die herum Menschen beerdigt wurden", mutmaßt der Geschichtsforscher.

Seit Wochen lässt ihm die Angelegenheit keine Ruhe. Immer wieder blättert er durch alte Akten auf der Suche nach Antworten auf die vielen Fragen, die mit den archäologischen Funden zutage gefördert wurden. Sind die Skelettfunde womöglich älter als der Turm? Woher stammt das Fundament, das direkt neben dem alten Gemäuer freigelegt wurde? "Das Kirchenschiff war anders ausgerichtet. Dazu kann es also nicht gehören", stellt Weller fest.

Nachdem er tagelang in historischen Archiven gestöbert hat, fand sich dort eine mögliche Erklärung: "Es könnte ein altes Beinhaus gewesen sein, in dem die Skelettreste aus alten Gräbern aufbewahrt wurden." Noch ist die Tragweite dessen, was rings um den Nikolausturm entdeckt wurde, nicht zu ermessen. "Sollten die Skelette wirklich älter sein als der Turm, müssen wir die Geschichte Gruitens neu schreiben", glaubt Weller.

Daran will man nun jedenfalls keinen Zweifel lassen, weshalb die Funde beim Amt für Bodenpflege des LVR (Landesverband Rheinland) genauestens unter die Lupe genommen werden sollen. "Nach einer physikalisch-chemischen Untersuchung können wir das Alter der Knochen auf plus/minus fünfzig Jahre genau bestimmen", kündigt Dr. Erich Claßen an. Der Außenstellenleiter ist selbst erstaunt, was durch die Grabungen rings um den Turm ans Tageslicht befördert wurde. "Es ist sehr spannend", bereitet er die Haaner darauf vor, dass es durchaus weitere Überraschungen geben könnte. "Die alten Fundamente sind eigentlich zu breit für ein Beinhaus", sieht auch er durchaus Potenzial für ein neues Kapitel der Gruitener Geschichtsschreibung.

Auch wenn die Freude über die spektakulären Funde derzeit überwiegt, so gibt es doch eine Sorge, die nun vor allem den Förderverein St. Nikolaus umtreibt. "Wir wissen nicht, was jetzt finanziell auf uns zukommt", gesteht Heribert Herring. Nachdem die für die Sanierung notwendigen 102 000 Euro in einem Kraftakt durch Mithilfe vieler Sponsoren gestemmt werden konnten, müssen nun noch die Untersuchungen der Skelettfunde bezahlt werden. "Wir wissen auch noch nicht, ob wir die Kosten für die archäologische Sicherstellung übernehmen müssen", so Heribert Herring.

Beim Förderverein hofft man nun nochmals auf finanzielle Unterstützung durch Spender und Sponsoren. Eine Anfrage beim Erzbistum Köln ist bereits auf dem Weg. Eines ist jedenfalls sicher: Die drei geborgenen Skelette sollen im Anschluss an die Untersuchungen in einem Grab in der Nähe des Nikolausturms bestattet werden. Wann das sein wird, kann derzeit noch niemand sagen. "Es kann Monate dauern", kündigt Lothar Weller an. Das vierte Skelett wurde nur in Teilen geborgen. "Wir haben nicht weiter gegraben. Es wäre zu teuer geworden", sagt der Vorsitzende des Bergischen Geschichtsvereins Haan.

Quelle: RP
 
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