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Hilden
Gericht verhandelt gegen Betreuer

Hilden. Von 2006 bis 2008 gab es bei der Educon in Hilden, einer damaligen Tochter der evangelischen Graf-Recke-Stiftung, zwei Wohngruppen, in denen autistische Kinder im Alter zwischen neun bis 15 Jahren laut Konzept in "wohnlich-familiärer Atmosphäre" und durch "positive Konfrontation körperlicher Nähe" behandelt und betreut werden sollten.

2010 wurde aber bekannt, dass es in den Gruppen zu massiven Übergriffen auf die Kinder, rabiaten Misshandlungen und Demütigungen gekommen war. Die Educon wurde aufgelöst und in die Recke-Stiftung integriert. Extreme Praktiken der Erzieher waren auf Video dokumentiert worden. Die Auswertung dieses mehr als 200 Stunden umfassenden Materials dauerte etliche Jahre.

Gegen zwei jener Ex-Educon-Betreuer wurden die Verfahren gegen Zahlungen hoher Geldauflagen eingestellt. Gegen elf wurde Anklage erhoben. Anfang April hat das Landgericht Düsseldorf drei Angeklagte wegen gefährlicher Körperverletzung zu Freiheitsstrafen von zwei Jahren und acht Monaten, einem Jahr und acht Monaten sowie einem Jahr und drei Monaten verurteilt. Die Vollstreckung wurde in allen drei Fällen zur Bewährung ausgesetzt.

Am Donnerstag, 13. Juli, verhandelt das Landgericht Düsseldorf in einem abgetrennten Verfahren gegen vier weitere, ehemalige Educon-Mitarbeiter. Ihnen wird vorgeworfen, Kinder zwischen neun bis 15 Jahren mit geistiger und körperlicher Behinderung misshandelt zu haben. Für den Prozess hat das Gericht zwei Verhandlungstage angesetzt.

(cis)