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Haan
Geschichte der Webereien

Haan. Im 19. Jahrhundert hing die Existenz vieler Haushalte in Haan und Gruiten buchstäblich am seidenen Faden. Allein im Gebiet von Alt-Haan klapperten um das Jahr 1870 herum 2400 Webstühle in nahezu jedem Hause. Von Frank Erkelenz

 Hinzu kam eine stattliche Zahl an Heimwebereien auf Gruitener Stadtgebiet. Lothar Weller vom Bergischen Geschichtsverein informierte gestern über die Blütezeit der Heimwebereien und konnte in der Senioren-Wohnanlage "Carpe diem" rund 60 aufmerksame Gäste begrüßen.

Lange Männersache

Weller gab zunächst einen kurzen historischen Abriss und belegte, dass schon zu Zeiten der alten Griechen die Weberei bekannt war. Penelope hielt sich, während Odysseus auf Achse war, allzu aufdringliche Verehrer vom Hals, indem sie vorgab, ein Leinentuch weben zu müssen.

Im 19. Jahrhundert war die Weberei längst zur Männersache geworden und wer nicht in der Landwirtschaft tätig war, verdingte sich als Lohnweber in einer der großen Firmen aus Elberfeld.

Doch sollte sich dies ab den 1870er Jahren grundlegend ändern. Mechanische Großwebereien läuteten das Aus für die heimischen Webstühle ein. Bereits 1867 siedelte sich die Firma Jung & Simon in Haan an und bald ratterten hier 300 Webstühle bei nur 200 Beschäftigten. 1884 folgte mit der Firma Schniewind aus Wuppertal die erste Seidenweberei, 1896 baute Besenbruch in Unterhaan.

Im Gruitener Dorf gab es bereits die Edelhoffsche Fabrik, an der heutigen Alleestraße in Haan kam im 20. Jahrhundert auch noch die Firma Fudickar & Simmer hinzu. "Glück im Unglück" für Haan und Gruiten: Quasi zeitgleich mit dem Aus für die Heimwebereien entstanden durch die Industrialisierung attraktive Arbeitsplätze.

Auch die mechanischen Großwebereien sind seit mehr als 30 Jahren Geschichte, an Schniewind erinnert nur noch der Sockel des in den 1970er Jahren gesprengten Schornsteines. Anders verhält es sich bei der Weberei Besenbruch. Hier blieb ein Teil der Gebäude erhalten. Eine moderne Wohnanlage wurde integriert.

Horst Wehnert, ehrenamtlicher Denkmalschutzbeauftragter in Haan, lud im Anschluss an den Vortrag zu einer Führung über das Besenbruch-Gelände ein, wo modernes Wohnen und Heimatgeschichte eine harmonische Symbiose eingegangen sind. Zuvor zeigte ein kurzer Film von Josef Ahrweiler die Weber bei ihrer Arbeit.

Quelle: RP
 
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