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Auf Ein Wort Sonja Schüller
Glauben heißt vertrauen auf den lebendigen Gott

Hilden. Ein Bibelvers zum Nachdenken gefällig? "Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen." 1. Tim 2,4.

Der Bibelvers hat den Charakter einer Richtigstellung. Man spürt das, wenn man den Bibelvers für sich liest und merkt, dass man darin automatisch das Wort "alle" betont. "Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen."

Immer wieder kommen Menschen auf die Idee, von Gott zu glauben, dass er sich einigen Menschen gar nicht zuwenden will. Bestimmte Lebenserfahrungen bringen einen auf diesen Gedanken. Lebenserfahrungen wie Leiden, Enttäuschungen, Verluste, Niederlagen und Unglücke.

Diese Lebenserfahrungen passen nicht zu einem "lieben Gott", der seine Menschen immer und überall beschützt. Dafür, dass Menschen, angesichts eines Gottes in dieser Welt doch Schweres erleben, gibt es dann zwei sehr häufig vorkommende Erklärungen: Entweder, Gott kann nichts daran ändern, oder er will nicht. Aber wer will schon einen Gott haben, der irgendetwas nicht kann? Dieser wäre ein kleiner Gott, nicht allmächtig, ein Gott, dem offensichtlich nicht alles möglich ist.

Dann schon lieber eine Absicht Gottes dahinter vermuten, dass Menschen auch Schlimmes widerfährt: Gott will vermutlich gar nicht retten, zumindest den einen oder die andere nicht, ist dann die Lösung. Liebe Leserinnen und Leser, dieses Dilemma zwischen dem Leiden in der Welt und einem allmächtigen Gott ist genauso alt wie der Glaube selbst. Und seit Menschengedenken zerbrechen sich Menschen den Kopf über Gottes Absichten. Lieber denkt man, dass er irgendetwas nicht will, als dass er etwas nicht könnte. Denn es geht um das eigene Bild von Gott, und somit steht immerhin der ganze eigene Glaube auf dem Spiel. Den möchte man lieber nicht darüber verlieren, dass Lebenserfahrung und Glaube an Gott nicht zusammen passen.

Aber Gott hier eine Absicht zu unterstellen, ist nicht der richtige Weg, mit unserem Glaubensdilemma umzugehen. Glaube ist vom Wesen her mehr Vertrauen und weniger das Festhalten an einem schlüssigen System. Glaube ist vom Wesen her mehr Gewissheit und weniger das Beharren auf einer lückenlosen Beweisführung. Glaube lebt deshalb auch weniger von einem Gottesbild als mit einem lebendigen Gott. Es ist der Ernstfall des Glaubens, dass wir Gott dennoch vertrauen, obwohl uns Erklärungen fehlen. Wo das Leben widerspricht, ist der Glaube da, um das Leben aushalten zu lernen.

Zerbrechen wir uns nicht den Kopf Gottes - vertrauen wir lieber darauf, dass er alle meint mit seiner Liebe, seiner Zuwendung und seiner Verheißung, die Wahrheit zu erkennen und darin Rettung zu finden.

Quelle: RP
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