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Auf Ein Wort Robert Eiteneuer
Goldene Herbsteszeit

Hilden. "Herr von Ribbeck auf Ribbeck

im Havelland,

ein Birnbaum in seinem Garten

stand.

Und kam die goldene

Herbsteszeit,

leuchteten die Birnen weit

und breit."

Wer kennt nicht die erste Strophe dieser Ballade von Theodor Fontane? Im dritten Schuljahr stand das Lernen dieses Gedichts auf meinem Programm. Goldene Herbsteszeit. Goldener Oktober.

Das Jahr neigt sich so langsam seinem Ende entgegen. Die Tage werden kürzer. Die Nächte werden länger - und kälter. Morgens immer häufiger Frühnebel. Die Ernte ist weitgehend eingebracht. Die Birnbäume sind längst leer gepflückt. Vor einigen Wochen haben wir Erntedank gefeiert. In den städtischen Regionen unseres Landes geht der Bezug zu Obst- und Ackerbau, zu Viehzucht und zu Landschaftspflege mehr und mehr verloren. Obst, Gemüse, Milch und Milchprodukte, Fleisch und Wurst finden sich in den Regalen und den Kühltheken der Supermärkte. Oft mache ich mir keine Gedanken, wo diese Produkte herkommen und wer dafür gearbeitet hat. Ich lege mir die Produkte in den Einkaufswagen und zahle an der Kasse dafür. Warum sollte ich da wem auch danken?

Lädt nicht der Herbst mit den bunten Blättern an den Bäumen, mit seinem milden Licht und den letzten warmen Sonnenstrahlen dazu sein, einmal inne zu halten und sich zu fragen, ob es nicht angebracht ist zu danken. Wem soll ich danken? Einem Menschen, der mir Gutes getan hat? Meinem Ehepartner oder meiner Familie, der bzw. die mich mit meinen Ecken und Kanten trägt? Meinem Arbeitgeber, der mir Monat für Monat das Gehalt auf mein Konto überweist? Meinem Sport- oder Gesangsverein für die Urkunde und die Ehrung zum silbernen Jubiläum der Mitgliedschaft?

Wem soll ich danken für das schöne Wetter der letzten Tage? Sven Plöger vom Wetterbericht? Wem soll ich danken für meine Gesundheit, auch wenn ich vielleicht das eine oder andere Wehwehchen habe? Meinem Hausarzt oder meiner Krankenkasse? Wem soll ich danken, dass ich ein Dach über dem Kopf habe? Dem Vermieter oder der Bausparkasse? Wem soll ich danken, dass ich hier in Frieden und Freiheit leben kann? Der Bundeskanzlerin?

Vielleicht kommt jetzt Gott ins Spiel. Gott, dem ich mein Leben und die Erde, auf der ich lebe, zu verdanken habe. Gott, der alles gut gemacht hat: Himmel und Erde, Pflanzen und Tiere, die Menschen. Wenn ich mir bewusst mache, dass ich mich nicht mir selber verdanke, sondern dass andere Menschen und gute Umstände dazu beigetragen haben und noch dazu beitragen, dass ich lebe und vielleicht gut lebe, dann ahne ich, dass da jemand ist, der größer ist als ich.

Genießen Sie die Früchte der Erde und der menschlichen Arbeit! Erfreuen Sie sich an dem goldenen Oktober, den letzten warmen Sonnenstrahlen und an dem bunten Herbstlaub an den Bäumen! Sagen Sie einfach mal danke!

DER AUTOR IST PASTORALREFERENT DER KATHOLISCHEN PFARRE ST. JACOBUS HILDEN

Quelle: RP
 
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