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Hilden
Gotteshaus ist jetzt ein Kleiderlager

St. Johannes Evangelist Ist jetzt Kleiderkammer
Hilden. Die katholische Gemeinde hat St. Johannes Evangelist im Hildener Westen aufgegeben. Seine Zukunft ist noch offen. Von Christoph Schmidt

Der Turm von St. Johannes Evangelist ist im Hildener Westen nicht zu übersehen. Die Kirche ist jedoch seit Ende 2015 gar kein Gotteshaus mehr. Sie wurde auf Antrag der katholischen Gemeinde "profaniert". Die Weihe einer Kirche als Gotteshaus ist ein feierlicher Ritus. Es gibt aber auch das Gegenstück: die Entwidmung. Damit wird die kirchliche Nutzung offiziell beendet. Das ist auch bei St. Johannes Evangelist geschehen - nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit.

Der Abschied auf Raten hatte sich im September vergangenen Jahres angekündigt. Seitdem waren nur noch Schulgottesdienste in St. Johannes Evangelist gefeiert worden. Die Pfarrei hatte nur noch zwei Priester im aktiven Dienst, die vier Kirchen versorgen mussten. Da musste der Pfarrgemeinderat die Zahl der Gottesdienste notgedrungen verringern.

Für die Schließung gab es aber auch handfeste finanzielle Gründe, hatte der damalige Pfarrer Monsignore Ulrich Hennes erläutert. Dach, Ostwand, Fußboden, Kirchturm, Sakristei, Toiletten, Heizung, Beleuchtung und Elektrik müssten saniert werden. Das würde nach ersten Schätzungen 1 bis 1,5 Millionen Euro kosten. Geld, das die Gemeinde nicht hat. Der Betrieb der Kirche kostet jährlich rund 26.000 Euro. Dem standen Einnahmen (Kollekte) von knapp 11.000 Euro gegenüber - über fünf Jahre. Deshalb wurde das Gotteshaus nach 50 Jahren aufgegeben. Pfarrhaus und Pfarrheim hat die Gemeinde vermietet. Aktuell nutzt der katholische Sozialdienst die Kirche als Kleiderlager. Helferinnen wie Sigrid Schnabel, Kuni Prange, Monika Godo und Barbara Clemens sortieren hier die Spenden für die Kleiderkammer vor. Die insgesamt 35 Freiwilligen sind froh, dass sie die Kirche haben. "Auch wenn sie entweiht ist, es ist und bleibt ein besonderer Ort", sagt Schnabel. Und ein besonders kalter dazu, gerade im Winter. In der Sakristei steht ein elektrisches Heizöfchen, an dem sich die Frauen aufwärmen können.

Das gesamte Inventar ist noch vorhanden. Die Gemeinde will es verschenken. Entweder in die Ukraine oder nach Polen. "Dort werden noch Kirchen gebaut", berichtet Pfarrer Reiner Nieswandt aus Haan, der die Pfarrei Hilden kommissarisch betreut. Wann die Kirche ausgeräumt wird, stehe noch nicht fest. Auch wie das Gebäude künftig genutzt wird, sei noch völlig offen. "Wir sind im Gespräch mit Investoren. Es zeichnet sich noch keine Tendenz ab." Entlang der Düsseldorfer Straße ist nach geltendem Recht eine Bebauung mit Wohnungen möglich. Sonst müsste ein Bebauungsplan aufgestellt werden. Dazu würde die Stadt Hilden sicher nicht Nein sagen. Bezahlbare Wohnungen sind in Hilden knapp und deshalb gefragt.

Quelle: RP
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