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Birgitta Thaysen
"Habe großartige Fotografen im Gepäck"

Birgitta Thaysen: "Habe großartige Fotografen im Gepäck"
Fotokünstlerin Birgitta Thaysen arbeitet seit 1992 als freie Fotografin in Düsseldorf. Sie kuratiert die neue Ausstellung in Hilden. FOTO: Ralph Matzerath
Hilden. 16 Künstler zeigen ab August an der Hofstraße 64 Werke unter dem Titel: "Human Land". Die Kuratorin erklärt das Konzept.

Viele Künstler und lauter Arbeiten zu einem Thema, das sie noch erklären müssen - wie kommt es, dass diese Ausstellung in Hilden landet?

Thaysen Die Hildener Kulturamtsleiterin Monika Doerr hat mich gebeten, eine Ausstellung in Hilden zu kuratieren. Das Thema durfte ich selbst wählen und hatte auch ansonsten keine Vorgaben. Ich habe mir dann überlegt, was ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule Niederrhein in Krefeld, in meinen "Jahresklassen künstlerische Fotografie", oder bei Kollegen sehe und bin auf das Thema "Landschaften" gekommen. Dabei verstehe ich unter Landschaft nicht die unberührte Natur, sondern Land, in das der Mensch eingegriffen und das er verändert hat - Kultur-Landschaften. Die Künstler, die an der Ausstellung beteiligt sind, beziehen dabei mit ihren Fotografien, Rauminstallationen, oder Filmen ganz unterschiedliche Positionen.

Warum haben Sie einen englischen Titel gewählt?

Thaysen Den Titel würde ich mit "vom Menschen gemachtes Land" übersetzen. Und weil das englische "Human Land" uns mehr Spielraum für Interpretationen lässt habe ich diesen Titel gewählt. Denn das englische "land" kann die Erde, Ländereinen, Festland, oder auch eine ganze Nation beschreiben.

Wer sind die Künstler, deren Werke im Kunstraum gezeigt werden?

Thaysen Ich habe Werke von renommierten Künstlern und sehr ambitionierten Amateurfotografen zusammengestellt und finde dieses Aufeinandertreffen spannend. Aber das war nicht so wichtig, wie die Qualität der einzelnen Arbeiten. Zu sehen sind großformatige Fotografie und zwei Rauminstallationen. Hinzu kommen vier Dokumentarfilme, die sich ebenfalls mit Landschaft und deren Veränderung durch den Menschen beschäftigen.

Sind auch Hildener Künstler dabei?

Thaysen Ja, da ist zum einen Marion Reckow-Memmert, die mit ihren Landschaftsaufnahmen ein Gefühl von Heimat vermittelt. Sie ist Amateurfotografen und hat eine meiner Jahresklassen in Düsseldorf besucht. Die zweite ist Birgit Lemm. Sie zeigt abstrakte Bildkompositionen: Während einer 1000 Kilometer langen Autobahnfahrt fotografierte sie den Mittelstreifen und die spärliche Pflanzenwelt dazwischen als vorbei fliegende Linien. Auch sie ist Amateurfotografin.

Was erwartet die Besucher noch?

Thaysen Zu den Fotokünstlern, die zum Teil international bekannt sind, gehört um Beispiel die Japanerin Hiroko Inoue. Sie wurde in Osaka geboren und hat Literatur, Anthropologie und Bildhauerei studiert. Nach dem großen Hanshin-Erdbeben in Kobe, Japan, 1995 mit Opfern in ihrer eigenen Familie begann sie, als Künstlerin zu arbeiten. Abwesenheit und Erinnerung, Leben und Tod sowie die Entfremdung zwischen dem Individuum und der Umwelt sind seither die beherrschenden Themen ihrer Arbeit. In Hilden werden von ihr Landschaftsaufnahmen in Schwarz-Weiß gezeigt, die auf japanischer Seide belichtet worden sind. Dann ist da Felix Droese mit einer Rauminstallation, die uns viel über die Geschichte des Fußballs erzählt - dem beliebtesten Mannschaftsspiel der Menschheit-, der Menschen über Landesgrenzen hinaus vereinen kann.

Auch von Ihnen sind Fotos vertreten. Warum Schwarz-Weiß?

Thaysen Ich fotografiere nur in Schwarz-Weiß. Meiner Meinung nach werden gute Schwarz-Weiß- Fotografien vor dem Auge des Betrachters wieder farbig. Und durch die Abwesenheit von Farbe werden Strukturen und Formen einer Landschaft sichtbarer.

Sind eigentlich auch Menschen auf den Fotos zu sehen oder sind die Landschaften unbelebt?

Thaysen Drei Künstler zeigen Menschen. Stefanie Minzenmay, eine promovierte Rechtsanwältin, zeigt Portraitfotos, auf denen die Gesichter nicht sichtbar sind. In ihrer Serie Protected Privacy visualisiert sie die Grenzen zwischen Privatsphäre und Öffentlichkeit und verweist damit auf ein sehr aktuelles Thema - die digitale Unsterblichkeit im Internet. Markus Feger, ein Fotograf aus Düsseldorf, zeigt junge Umweltaktivisten, die für den Erhalt einer ursprünglichem Waldlandschaft, - des Hambacher Forsts nahe Düren -streiten und für ihre Ideale eintreten. Der dritte ist Frank Szafinski, auch Amateurfotograf. Sein eigentliches Thema ist das Theater.

Es sind auch noch Filme in der Ausstellung zu sehen?

Thaysen Es sind filmische Essays von Rainer Komers, die ganz und gar ohne Kamerafahrten und erklärende Stimmen aus den Film-Off auskommen. Viel mehr sprechen die Bilder für sich und nehmen uns mit auf die Reise zu vom Menschen geschaffenen Orten - oft Orte, die von Veränderung und Zerstörung betroffen sind. Komers hat schon Preise in der ganzen Welt gewonnen.

Wird ein Katalog erscheinen?

Thaysen Ja, der wird gerade erstellt. Bis zur Ausstellung ist er fertig.

ILKA PLATZEK STELLTE DIE FRAGEN

Quelle: RP
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