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Hilden/Haan
Händler spüren Abgasskandal

Hilden/Haan: Händler spüren Abgasskandal
Hilden/Haan. Die VW-Manipulationen beschäftigen auch Autofahrer und Händler in Hilden und Haan. Von Alexandra Rüttgen

Der VW-Abgasskandal trifft nun offenbar auch andere Automobilhersteller. Nicht nur deren Aktienkurse sinken - es gibt auch erste Anzeichen eines Vertrauensverlustes, der die gesamte Branche betrifft. So berichtet Arno Ruhrmann, Verkaufsberater beim Haaner Automobilhaus Altmann, dass mit Hinweis auf noch nicht geklärte Fragen ein Kunde bei ihm vom Kauf eines Wagens Abstand genommen hat. "Das ist ein heikles Thema und mit vielen Emotionen verbunden", sagt Ruhrmann. "Wenn wir im Supermarkt bio kaufen, muss auch bio drin sein." So verhalte es sich auch mit den Umweltschutzversprechen der Automobilhersteller.

Der VW-Konzern hat allein in Deutschland 2,8 Millionen Fahrzeuge so manipuliert, dass sie in Testläufen wesentlich weniger Schadstoffe produzieren als unter realen Bedingungen. Das Ausmaß des Schadens ist zurzeit noch nicht abzusehen, "wir sind in Tag fünf nach dem Skandal", sagt Isabell Schnitzler-Keller, geschäftsführende Gesellschafterin des Autohauses Schnitzler. Der in Hilden und Langenfeld ansässige Betrieb vertreibt alle Marken des VW-Konzerns - VW, Audi, Skoda und Seat. "Der Skandal ist in aller Munde und schon spürbar", berichtet die Kauffrau. Vereinzelt würden Kunden nachfragen, ob auch ihr Auto betroffen ist. Nicht auf jede Frage kann sie bereits antworten. "Grundsätzlich kümmern wir uns um jeden Kunden, aber wir brauchen Zeit für die interne Aufklärung und Analyse." Schnitzler-Keller vertraut darauf, dass der VW-Konzern alle nötigen Informationen liefern wird. "Im Moment ist nur eine Variante betroffen und nicht die gesamte Diesel-Palette." Schnitzler-Keller: "Wir können ganz klar sagen, alle Autos sind sicher und fahrbereit."

Über die Fahrbereitschaft indes denken die Straßenverkehrsämteroffenbar zurzeit nach. Nach Angaben von Friedhelm Laufs, Straßenverkehrsamt der Stadt Leverkusen, könnte das Kraftfahrtbundesamt den betroffenen Fahrzeugen durchaus die Betriebserlaubnis entziehen. Allerdings sei das nicht sehr wahrscheinlich. Praxisnäher sei da entweder eine Rückrufaktion oder eine so genannte Mängelbeseitigung, bei der das Bundesamt in Flensburg den Haltern eine Frist zur Nachbesserung setzt.

Doch ob so oder so: "Der Image-Schaden in der Automobilindustrie ist beträchtlich", sagt Ralf Gierten, Inhaber des gleichnamigen Hildener Opel-Autohauses. "Ich glaube nicht, dass sich das alleine auf VW auswirken wird." Auch er werde "sehr stark von der Kundschaft angesprochen".

Ähnlich sieht das Arno Ruhrmann von Opel Altmann: "Das gibt für den Automarkt einen Dämpfer." Manche Kunden werden sich einen Kauf jetzt womöglich noch einmal überlegen. "Das alte Auto kann man auch noch länger fahren, und wir können niemanden nötigen, ein Auto zu kaufen", sagt der Verkaufsberater. Wie stark die Auswirkungen des Abgasskandals sind, "das wird man an den Zulassungszahlen in den nächsten Monaten merken", sagt Ruhrmann voraus.

Quelle: RP
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