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Interview Björn Musiol
"Handel hofft auf ein leichtes Plus"

Interview Björn Musiol: "Handel hofft auf ein leichtes Plus"
FOTO: Handelsverband
Hilden. Welche Erwartungen hat der Einzelhandel an das restliche Jahr? Der Handelsverband Rheinland gibt sich verhalten.

Herr Musiol, wie verlief für den Einzelhandel in der Region (Rheinland) das erste Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum?

Musiol Das erste Halbjahr 2016 verlief für den Einzelhandel in der Region insgesamt positiv und wir werden laut unserer Einschätzung ein leichtes Wachstum zum Vorjahr zu verzeichnen haben. Auch einzelne Abfragen der Einzelhandelsbetriebe verschiedener Branchen im Kreis Mettmann konnten dies bestätigen. Die Ergebnisse fallen aber innerhalb der verschiedenen Städte in der Region unterschiedlich aus. In Hilden sind nicht alle Händler mit ihren Umsatzentwicklungen zufrieden und man beobachtet teilweise einen Frequenzrückgang in der Stadt. Auch in den verschiedenen Branchen fallen die Ergebnisse unterschiedlich aus. Dem Textilhandel hat das wechselhafte Sommerwetter zu schaffen gemacht. Er hofft auf eine gute zweite Jahreshälfte.

Warum kommt es zu dieser Tendenz?

Musiol Diese Entwicklung wird unter anderem durch den stetig wachsenden Online-Handel und das veränderte Einkaufsverhalten ausgelöst. Dieser Trend ist in ganz Deutschland zu sehen und wird im aktuellen Online-Monitor deutlich. Der Handelsverband Deutschland (HDE) gibt jedes Jahr auf Basis von Daten der GfK seinen Online-Monitor heraus. Für das laufende Jahr rechnet der HDE mit einem Umsatzvolumen von 44 Milliarden Euro im E-Commerce. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Wachstum von elf Prozent. Allein der Handel mit Nicht-Lebensmitteln im Internet stieg im Jahr 2015 um neun Prozent, während der gleiche Bereich im stationären Handel nur ein Plus von 0,2 Prozent verzeichnen konnte. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Zahl der Nonfood-Käufe im vergangenen Jahr. Online stieg diese Zahl um über zehn Prozent, offline fiel sie um beinahe ein Prozent. Insgesamt liegt allerdings mit über zwei Milliarden die Zahl der Offline-Einkäufe deutlich über der Zahl der Online-Käufe (rund 250 Millionen). Während der Non-Food-Handel online bereits einen Marktanteil von 20 Prozent erreicht hat, liegt der Online-Anteil bei Lebensmitteln weiter auf niedrigem Niveau.

Wie verlief der Sommerschlussverkauf?

Musiol Der Einzelhandel ist am 25. Juli in den freiwilligen Sommerschlussverkauf (SSV) gestartet. Aufgrund des durchwachsenen Sommerwetters konnten sich die Kunden über viele Sonderangebote freuen. Insbesondere bei der Hochsommerware wie T-Shirts, Shorts und Badebekleidung war oft noch eine große Auswahl zu finden. Zusätzlich nutzten auch wieder viele Baumärkte, Möbelhäuser, Sporthändler und Elektrogeschäfte den SSV, um in den Lagern Platz zu schaffen. In einigen Geschäften sind aber noch bis zum Ende der Sommerferien Schnäppchen zu finden.

Mit welchen Erwartungen startet der Einzelhandel ins zweite Halbjahr?

Musiol Der GfK-Konsumklima-Index ist trotz der Befürchtung, dass er nach dem Brexit-Votum sinkt, auf einem hohen Niveau geblieben. Der Einzelhandel sieht die zweite Jahreshälfte optimistisch und rechnet mit einem leichten Plus zum Vorjahr. Viele Einzelhandelsunternehmen sind bereits auch im Online-Geschäft aktiv. Gerade die enge Verzahnung von Online- und Offline-Angeboten wird auch immer mehr von kleineren Einzelhandelsunternehmen erfolgreich eingesetzt. Darüber hinaus steht jetzt mit der Vorweihnachtszeit die umsatzstärkste Zeit für den Einzelhandel an. Laut HDE-Prognose werden bis Ende des Jahres etwa 481,8 Milliarden Euro im Einzelhandel umgesetzt.

ALEXANDRA RÜTTGEN STELLTE DIE FRAGEN.

Quelle: RP
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