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Hilden
Flüchtlinge hungern für Registrierung

Hilden: Flüchtlinge hungern für Registrierung
Rund 30 Asylsuchende aus Syrien, dem Iran und Irak warten seit Wochen auf ihre Registrierung. Am Mittwoch versprach die Bezirksregierung: in 14 Tagen. FOTO: Staschik
Hilden. Rund 30 Asylsuchende aus Syrien und Irak traten in der Notunterkunft in Hilden in einen Hungerstreik. Damit wollten sie erreichen, dass sie endlich registriert werden. Die Aktion zeigte Wirkung. Von Christoph Schmidt

"Hungerstreik" steht auf dem Zettel, den Fadi Bulbuli hochhält. Der Flüchtling aus Syrien und weitere rund 30 Asylsuchende aus Syrien und dem Irak haben Mittwochmorgen das Frühstück und das Mittagessen in der Notunterkunft Albert-Schweitzer-Schule verweigert, die die Stadt Hilden für das Land betreibt. Warum? "Wir sind seit 40 Tagen in Deutschland und noch nicht registriert worden", erzählt Bulbuli auf Englisch.

Andere Flüchtlinge in der Notunterkunft, die nach ihnen gekommen seien, seien bereits registriert. Die Männer ("die meisten von uns schlafen in einem Klassenraum") fürchten, sie seien "vergessen" worden. Er habe sich zunächst an einen Polizisten in der Notunterkunft gewendet, erzählt der 24-jährige Syrer: "Er hatte drei Sterne auf dem Rangabzeichen. Er hat gesagt: Nächste Woche werden wir registriert. Aber er konnte es nicht versprechen." Daraufhin hätten sich die Männer zu ihrem Hungerstreik entschlossen. "Ganz friedlich", betont Bulbuli: "Wir haben nur das Papier hochgehalten."

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Fadi Bulbuli war von München aus nach Dortmund und dann nach Düsseldorf-Eller gebracht worden. Am Montag vergangener Woche mussten er, Tahmad Shashi (23) und 150 andere Flüchtlinge innerhalb von einer Stunde die Notunterkunft verlassen. Sie wurden nach Hilden verlegt. Die Heizung in einem Zelt in Eller sei ausgefallen, hatte eine Mitarbeiterin der Bezirksregierung Arnsberg ihrer Leitung gemeldet. Eine Falschmeldung, wie sich später herausstellte. "Jetzt sind wir schon zehn Tage in Hilden und passiert ist so gut wie nichts", klagt Bulbuli: "Wir sind nur geröntgt worden. Eller war für uns perfekt. Wir hatten dort schon Freunde gefunden, konnten in die Stadt fahren. Wir wären gern in Düsseldorf geblieben."

"Ich kann den Frust verstehen", sagt Hildens Sozialdezernent Reinhard Gatzke: "Die Flüchtlinge sind von einer Notunterkunft in die andere gebracht worden. Das hatten wir auch noch nicht. Die Organisation ist nach wie vor schlecht."

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"Kein Grund zur Aufregung", meint dagegen Bernhard Hamacher, Pressereferent der Bezirksregierung Düsseldorf: "Alle werden registriert." In 14 (!) Tagen am 28./29. Oktober sei ein mobiles Einsatzteam mit rund 20 Polizisten wieder in Hilden, um Flüchtlinge zu registrieren: "Wir hatten diese Info bislang nicht. Die Koordinierung liegt bei der Bezirksregierung Arnsberg." Die Bezirksregierung Arnsberg ist für die Unterbringung, Betreuung, Registrierung und Verteilung der Flüchtlinge in ganz Nordrhein-Westfalen zuständig.

Der Registrierungstermin sei auch auf Druck der Stadt Hilden zustande gekommen, betont Gatzke. "Die Flüchtlinge waren schon vier Wochen in Eller und sind dort nicht registriert worden. Das ist schon heftig. Vielleicht ergibt sich vor dem 28./29. Oktober eine Möglichkeit."

Erst nach der Registrierung können die Asylsuchenden die Erstaufnahme-Einrichtungen verlassen. Sie werden dann auf andere Städte oder andere Bundesländer verteilt. Nachdem sie einen Termin für ihre Registrierung genannt bekommen hatten, stellten die 30 Flüchtlinge ihren Streik ein. Sie wollen sich in Geduld fassen. Bulbuli: "Hoffentlich werden wir nicht enttäuscht."

 

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Quelle: RP
 
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