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Analyse
Hilden muss Kriminellen klare Kante zeigen

Hilden. Die Tat eines Einzelnen darf nicht gegen ganze Gruppen instrumentalisiert werden. Von Gökçen Stenzel

Ein Mann hat ein achtjähriges Mädchen offenbar bedrängt und unsittlich berührt. Er sitzt in der JVA Ratingen in Untersuchungshaft, ein Haftrichter hat am Samstag Haftbefehl erlassen. Es bestehe "dringender Tatverdacht", heißt es bei der Staatsanwaltschaft, einen begründeten Zweifel gibt es demnach nicht. Das Mädchen konnte den Mann und sein auffälliges Fahrrad auch deshalb so gut beschreiben, weil eine der speziell geschulten Polizistinnen eine kindgerechte Anhörung durchführte.

Die Polizei nahm den Mann kurz nach dem Vorfall fest, inzwischen hat er gestanden, tatsächlich im Stadtpark auf der Bank gesessen zu haben. Mehr aber auch nicht.

Der Vorgang wäre bis hierhin sicher als widerwärtig eingestuft worden, viele Hildener hätten sich schockiert gezeigt und geäußert. Er ist jedoch mehr als das. Es ist der erste Vorfall, bei dem ein in Hilden lebender Flüchtling einer Straftat beschuldigt wird, die sich nicht innerhalb oder rund um eine Unterkunft - also quasi unter Asylsuchenden - abgespielt hat. Seit den Ereignissen von Köln herrscht erhöhte Alarmbereitschaft, das ist kein Wunder. So sehr es richtig ist, Täter zu benennen und über Kriminalität auch von Flüchtlingen zu sprechen, so sehr sollte aber jeder darauf achten, die Straftaten eines Einzelnen nicht gegen ganze Gruppen zu instrumentalisieren. Das hat Hilden bisher gut geschafft.

Sozialdezernent Reinhard Gatzke verurteilt die Tat und fordert, den Täter hart zu bestrafen. Auch Michaela Neisser, zuständig für die Flüchtlinge, äußert sich differenziert - ebenso wie etliche Hildener, die jetzt keineswegs alle Flüchtlinge als Gefahr ansehen. Sondern den oder diejenigen bestraft sehen möchten, die sich kriminell verhalten. Den vielen hundert Asylsuchenden, die friedlich in Hilden leben, begegnen die meisten weiterhin offen, freundlich - oder auch in einem gewissen Maß gleichgültig. Die Stadt wird sich weiter größte Mühe mit den Integrationsangeboten machen, weiter den Kontakt mit jedem Einzelnen suchen. Zugleich muss Kriminellen klare Kante gezeigt werden, so wie es in dem nun vorliegenden Fall vorbildlich gelaufen ist.

Der Mann ist bis auf weiteres in U-Haft, sie kann bis zu sechs Monate und länger dauern.

Quelle: RP
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