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Patient erhebt Vorwürfe gegen Hildener Arzt
"Man hat mich schwer verletzt weggeschickt"

Hilden: Patient erhebt Vorwürfe gegen Arzt: schwer verletzt weggeschickt
Norbert Raab zeigt den Ausdruck einer Aufnahme des Kernspintomographen. Sein Bruch ist als feine, schwarze Linie zu sehen. FOTO: ola
Hilden. Mit kaum erträglichen Schmerzen suchte Norbert Raab aus Hilden medizinische Hilfe. Doch nicht der Arzt, sondern erst sein Sohn erkannte die Ursache: Ein Bruch im Knöchel. Von Alexandra Rüttgen

Weil er sein Wohnmobil winterfest machen wollte, stieg Norbert Raab am 12. November 2014 auf eine Leiter. Doch dabei verlor er das Gleichgewicht. Rund 1,20 Meter stürzte der damals 68-Jährige rücklings in die Tiefe. Der Fuß des Hildeners verklemmte sich in den Sprossen, die Leiter klappte zusammen und quetschte den Fuß. Sofort durchzogen Norbert Raab unerträgliche Schmerzen. "Ich konnte nicht mehr auftreten", erinnert er sich.

Es folgte eine für Raab unerfreuliche Odyssee. An deren Ende stehen Wut, Befremden und das Gefühl, alleine gelassen worden zu sein: "Ich möchte, dass die Ärzte genauer hinsehen", sagt Raab. Denn ein Dokument der "Gutachterkommission für ärztliche Behandlungsfehler bei der Ärztekammer Nordrhein", das der RP vorliegt, belegt: Ein Radiologe, der am Tag nach dem Unfall im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) "Med360°" eine Aufnahme mit dem Kernspintomographen anfertigte, übersah einen Bruch. Zitat aus dem Gutachten: "Ein später festgestellter Innenknöchelbruch links wurde vom befundenden Arzt (...) nicht gesehen."

Klinik wollte "Privatunfall" nicht weiter ambulant behandeln

Zurück zum Anfang. Erste Anlaufstelle für Raab war das Hildener St.- Josefs-Krankenhaus. Dort veranlassten die Mediziner alles Notwendige. Dazu der Autor des Gutachtens: "Meines Erachtens ist der behandelnden Ärztin bzw. dem Hildener Krankenhaus kein Behandlungsfehlervorwurf zu machen." Die Ärztin ließ eine Röntgen-Aufnahme anfertigen, die allerdings nicht alle Details klärte. Laut Gutachten habe sich auf den Standard-Röntgenaufnahmen des Krankenhauses die später "im Kernspin sichtbare Innenknöchelfraktur nicht nachweisen" lassen. Daher sei Raab für den nächsten Tag zur weiteren Untersuchung einbestellt worden: Der Hildener wollte nicht über Nacht im Krankenhaus bleiben. Die Ärzte statteten ihn laut Gutachten "fachgerecht" mit einem Vacoped-Stiefel aus; einem Schuh, der den Fuß schient.

Raab kam am 13. November wieder in die Klinik. Die Schmerzen waren über Nacht schlimmer geworden. Doch ein Arzt sagte ihm, dass ihn die Klinik mit seinem "Privatunfall" ambulant nicht weiter behandeln könne und er sich an einen niedergelassenen Mediziner wenden müsse. Raabs Vorwurf: "Man hat mich schwer verletzt weggeschickt, ohne sich um den Knochenbruch zu kümmern." Einen Bruch habe die Notärztin schon tags zuvor vermutet. Doch das Krankenhaus musste den Patienten weiterleiten, sagt Sprecherin Cerstin Tschirner: "Eine Indikation zur Operation gab es nicht. Daher war keine stationäre Behandlung angezeigt." Ambulant aber dürfe die Klinik Patienten nicht behandeln. Dies sei ihr nur bei Arbeitsunfällen gestattet.

Sohn ist Chefarzt für Orthopädie

Raab humpelte also auf einem Bein ins MVZ, das neben dem Krankenhaus liegt. Dort wurde eine Kernspintomografie angefertigt. Sie wies einen Abriss der Achillessehne nach. Den Bruch des Innenknöchels übersah der diagnostizierende Arzt jedoch. Dazu auf Anfrage der RP Med360°-Sprecherin Marion Bassfeld: "Wir möchten zu nicht abgeschlossenen Angelegenheiten keinerlei Auskunft geben." Ein Chirurg des MVZ riet Raab zu einer Operation. Doch dieser zog nun seinen Sohn zu Rate, Dr. Carsten Raab, Chefarzt für Orthopädie am Duisburger Helios-Klinikum. Der erkannte den Bruch und riet seinem Vater von einer OP ab: Dank des Stiefels hatten sich die Knochen nicht verschoben. Der Bruch könne unter weiterer Zuhilfenahme des Stiefels heilen, die Sehne wieder zusammenwachsen.

Nach einem Jahr kann Raab wieder schmerzfrei gehen. Der Gutachter bescheinigt zwar einen "Diagnosefehler" des Radiologen. Doch dieser habe "zu keiner nachteiligen Situation für den Patienten, insbesondere zu auch keiner Verzögerung des Behandlungsablaufes geführt", schreibt er. Dazu Raab: "Glück gehabt." Wäre er andernfalls wegen des nicht erkannten Bruchs aufgetreten, hätten sich die Knochen verschoben und der 68-Jährige hätte doch noch operiert werden müssen.

Quelle: RP
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