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Hilden
Hilden sucht Vormünder für Kinder

Hilden: Hilden sucht Vormünder für Kinder
FOTO: Staschik, Olaf (ola)
Hilden. Der katholische Sozialdienst betreut junge Flüchtlinge und andere Minderjährige, die einen Vormund brauchen. Im Redaktionsgespräch erläutern Expertinnen, worauf es dabei ankommt. Von Gökçen Stenzel

30 minderjährige Asylsuchende ohne Eltern leben derzeit in Hilden. Sie sind zwischen fünf und 18 Jahre alt und fast durchweg Jungen. Sie müssen einen gesetzlichen Vormund haben - und haben auch alle einen. "Allerdings sind unsere ehrenamtlichen ,Reserven' damit erschöpft", sagt Beate Röding vom Sozialdienst katholischer Frauen und Männer (SKFM), der in Hilden die Vormundschaften als freier Träger zusammen mit dem Jugendamt koordiniert. "Wir sind verpflichtet, für die Vormundschaften auch ehrenamtliche Betreuer zu suchen."

Röding und ihre Kollegin Manuela Heeg, die selbst 23 Mündel - darunter sechs Flüchtlinge - hat, suchen und informieren aktiv: Am Samstag, 30. April, sind sie in der Zeit von 10 bis 14 Uhr mit einem Stand bei der Ehrenamtsbörse der Stadt auf der Mittelstraße zu finden. Eine eigene Infoveranstaltung für Interessierte schließt sich am Mittwoch, 18. Mai, um 17 Uhr an. "Viele schrecken vor dem Begriff Vormund zurück", so Heeg, "dabei können wir helfen, mehr darüber zu erfahren und falsche Vorstellungen abzubauen." Zum Wissen darüber gehört, dass nicht nur junge Flüchtlinge betreut werden, sondern auch andere Kinder und Jugendliche, die aus unterschiedlichen Gründen einem Vormund zugeordnet werden, deren Eltern das Sorgerecht ganz oder teilweise entzogen wurde.

Was muss ein Vormund tun? Er muss sich vor allem auf sein Mündel einlassen, sich interessieren und für dessen Interessen einsetzen. Er muss sich regelmäßig mit seinem Mündel treffen, alle ein bis zwei Wochen ist ratsam. Er muss willens sein, sich zu informieren und fortzubilden.

Was sind die Aufgaben eines Vormunds? Er ist die rechtliche Vertretung des Mündels. Er kümmert sich beispielsweise um die richtige Schule für das Kind und die medizinische Versorgung. Dazu gehört, dass er zum Beispiel vor ärztlichen Eingriffen die nötige Einwilligung geben muss. "Das, was sonst Eltern machen müssten", erklärt Manuela Heeg. Sie ergänzt: "Niemand wird mit den Aufgaben allein gelassen, wir sind jederzeit ansprechbar und helfen bei Problemen." Ohnehin werde das Paar Mündel/Vormund gerade in der ersten Zeit eng begleitet, um zu sehen ob die "Chemie" tatsächlich stimmt. Heeg: "Das ist wichtig, Vormünder wechseln ja nicht jeden Tag." Allerdings ist die Zeit absehbar: Mit dem 18. Lebensjahr des Mündels endet die Vormundschaft.

Wer eignet sich als Vormund? Jeder, der sich einsetzen will, der genügend Lebenserfahrung hat und Zeit investieren kann. Wichtige Eigenschaften sind das Zuhören- und Einfühlenkönnen in Lebenswirklichkeiten junger Menschen.

Was geschieht, wenn das Mündel etwas Strafbares macht? Die Sache geht ihren Gang, jedoch ist dann das Jugendamt zuständig. Der Vormund haftet nicht im Sinne "Eltern haften für ihre Kinder". Der Vormund muss auch nicht 24 Stunden am Tag für Ämter und Behörden erreichbar sein. Beispiel Notoperation: "Auch wenn der Vormund gerade nicht erreichbar ist, wird die OP vorgenommen - wie bei jedem anderen minderjährigen Menschen ja auch", erklärt Manueala Heeg.

Warum braucht Hilden Vormünder, wenn doch alle im Moment versorgt sind? Derzeit sind alle Vormundschaften vergeben, jedoch kann sich die Lage täglich ändern. Jederzeit kann es zu schwierigen Lagen in Familien kommen, die einen Vormund erfordern. "Auch wissen wir nicht, wie die Flüchtlingssituation weitergeht!", sagt Beate Röding. Manuela Heeg ergänzt: "Unsere jungen Flüchtlinge sind sehr nett und wissensdurstig, niemand sollte sich scheuen, sie einmal kennenzulernen."

Quelle: RP
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