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Hilden
Hildener handelt mit kostbarem Glas

Hilden: Hildener handelt mit kostbarem Glas
500 Euro und mehr kann eine Scheibe des Kunstglases kosten, das der Hildener Karl-Heinz Zielke vertreibt. Sein Betrieb ernährt zwei Mitarbeiter. FOTO: Ralph Matzerath
Hilden. Karl-Heinz Zielke ist einer von nur noch vier Kunstglas-Händlern. Er lieferte auch fürs Richter-Fenster des Kölner Doms. Von Alexandra Rüttgen

Die meisten Kunden empfängt Karl-Heinz Zielke in der Plexiglas-Abteilung. Sie verwenden das Kunststoff-Material für Gartenlauben, Wintergärten, Dachterrassen und Zimmertüren. Zielke hat sämtliche Stärken und Musterungen auf Lager und schneidet es auf Kundenwunsch zu. Alltagsgeschäft.

Doch die wahren Schätze von Karl-Heinz Zielke lagern auf der anderen Seite der Halle: Kunstglas in mindestens 2000 Sorten und Arten. Zielke geht von Regal zu Regal, zieht mal hier, mal dort ein "Glas" aus den Fächern. Gemeint sind damit etwa backblech-große Scheiben in allen erdenkbaren Farben und Musterungen. Die einen haben Schlieren, andere sind marmoriert, wieder andere zieren bunte Tupfen. Zielke hält sie gegen das Licht. Manche Gläser scheinen ein glühendes Feuer in sich zu bergen, so brillant und strahlend erscheinen die Farben. Eine ist zartrosa. "Dieser Farbton kommt durch die Beimischung von Gold zustande", erklärt Zielke. Bis zu 500 Euro kann ein Glas kosten.

Karl-Heinz Zielke ist mit seiner Firma Becker Spezialglas in Hilden einer von nur noch vier Kunstglashändlern in Deutschland. Glas für Tiffany-Fenster und -leuchten bezieht er aus den USA. Das Material für Kirchenfenster kommt beispielsweise von der Glashütte Lamberts in Waldsassen. Mit ihr steht er in ständigem Kontakt, wenn es um individuelle Kundenwünsche geht.

So war es zum Beispiel beim berühmten wie umstrittenen Südquerhausfenster des Kölner Doms, das Gerhard Richter gestaltete. Damals suchte Zielke noch als Angestellter der Hildener Firma Mathias Becker GmbH das Material zusammen. Fast 30 Kisten waren das im Wert von rund 120 000 Euro. Ein Auftrag so groß wie selten, denn meistens wird sein Glas nur noch für Reparaturarbeiten gebraucht.

Zielke wusste damals noch gar nicht, welche Bedeutung "sein" Glas erlangen würde. "Mein Job ist es einfach, die Kunden zufrieden zu stellen", sagt der 56-Jährige. Doch mittlerweile - nach dem Tod seines Chefs Raimund Becker ist er Inhaber des Nachfolge-Betriebes - hat er sich das Fenster angeschaut. "Ich persönlich finde es toll, gerade dieses Farbspiel", sagt er begeistert.

Und überhaupt. Der Umgang mit Glas sei faszinierend. "Die vielen Farben, die Brillanz. Es ist schön, zu sehen, was aus dem Glas entsteht." Dabei sah sein Lebensweg anfangs etwas anderes vor: Als ausgebildeter Kaufmann arbeitete Zielke zunächst bei Horten in Düsseldorf in der Möbelabteilung. Mit 20 Jahren wechselte er zur Hildener Firma Becker, und die Leidenschaft für Glas nahm ihren Lauf. "Ein Leben ohne Glas, das könnte ich mir gar nicht mehr vorstellen", sagt er heute und zeigt Fotos seines eigenen Hauses. Vor eine hässliche Wand mit Glasbausteinen ließ er ein großes Kunstglasfenster setzen, das von einem Baum und zwei Pfauen geziert ist.

Seine Kunden schätzen diese Leidenschaft. "Wir arbeiten schon seit Generationen mit der Firma zusammen, und dass wir bei Karl-Heinz Zielke geblieben sind, zeugt von dem großen Vertrauen, das wir zu ihm haben", sagt Heinrich Oidtmann von der gleichnamigen Glasmalerei. Hier wird das Hildener Glas zu künstlerischen Bleiverglasungen weiterverarbeitet. Doch die Hildener müssen nicht weit gehen, um "ihr" Produkt auch in der Heimatstadt zu sehen: Glas, das Karl-Heinz Zielke lieferte, ist auch in den Hildener Kirchen verarbeitet.

Quelle: RP
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