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Hilden
Hildener machen mobil gegen Umweltgift

Hilden: Hildener machen mobil gegen Umweltgift
Volkmar Jung, Gottfried Arnold und Rainer Kalbe (v. li.). sind zusammen mit Walther Enßlin Veränderungen im Umfeld der Bahngleise, die immer wieder mit Herbiziden gespritzt werden, nachgegangen. FOTO: Ralph Matzerath
Hilden. Dr. Enßlin und Freunde machen das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat der Bahn für Schäden verantwortlich. Von Alexandra Rüttgen

An der Karnaper Straße und Umgebung kennen sie sich aus. Jede Woche gehen die vier Hildener Dr. Walther Enßlin, Dr. Gottfried Arnold, Rainer Kalbe und Volkmar Jung hier miteinander spazieren. Da fällt ins Auge, wenn sich etwas verändert. Und manchmal machen diese Veränderungen auch Sorgen.

Zunächst beobachteten die vier Männer ein verstärktes Algenwachstum in einem Bächlein unweit des Wasserwerks Baumberg. Das Werk leitet dort Wasser eines Brunnens ein, alles ganz legal und keinesfalls umweltschädlich. Doch die Algen sind ein ungutes Zeichen. Könnte das verstärkte Wachstum auf eine unerwünschte chemischen Substanz im Wasser schließen lassen, die die Pflanzen nährt? Phosphat vielleicht? Grübelnd zogen die Männer weiter - und beobachteten an der Bahnlinie nicht zum ersten Mal, wie eine Firma im Auftrag der Bahn dem Unkraut an Schotter und Gleisen mit einem Herbizid zu Leibe rückte. Das Interesse von Walther Enßlin, Chemielehrer, Volkmar Jung, Geograph, Gottfried Arnold, pensionierter Kinderarzt, und Rainer Kalbe - "interessierter Bürger", wie er selber sagt - war geweckt. Könnte das eine vielleicht etwas mit dem anderen zu tun haben? Inwieweit werden das Hildener Wasserschutzgebiet und damit das Trinkwasser belastet?

Es folgten drei Monate intensiver Recherche und ein reger E-Mail-Austausch mit der Bahn, den Spritzmittel-Herstellern Monsanto und Bayer sowie Naturschutzverbänden und Fachleuten. Schließlich stellten die vier Freunde eine Theorie auf, die sie indes nicht beweisen können: In dem Spritzmittel der Bahn, Glyphosat, ist eine Phosphatverbindung enthalten, die zum Algenwachstum im Bach führte. Das veranlasste die vier Freunde, sich näher mit der chemischen Substanz Glyphosat zu befassen. Die Ergebnisse dieser Recherchen ließ sie zu erklärten Gegnern des Stoffes werden, das vom Bundesamt für Risikobewertung für unbedenklich, von der Internationalen Krebsforschungsagentur aber als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuft wird. Diese Agentur gehört zur WHO.

Längst werben sie für die Unterschriftensammlung des Naturschutzverbandes BUND: "Wir fordern, dass die Bahn das Sprühen komplett unterlässt", sagen Enßlin und seine Freunde mit Nachdruck.

Michael Esser, Gewässerschutzbeauftragter der Stadtwerke Solingen, die Mit-Betreiber des Wasserwerks Baumberg sind, gibt für Hilden indes Entwarnung. Das eingeleitete Brunnenwasser, das Wasser des Bächleins und die Algen seien chemisch und biologisch untersucht worden. Das Ergebnis: "Es ist ein unkritisches, zeitweise in stillstehenden Gewässern auftretendes Phänomen", sagt Esser. Algen seien zurzeit nicht mehr zu beobachten. Außerdem wurden Wasserproben nahe der Bahngleise genommen. "Doch sowohl Glyphosat als auch AMPA, das Hauptabbauprodukt von Glyphosat, waren nicht nachzuweisen", betont Esser.

Quelle: RP
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