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Ex-Freund in Untersuchungshaft
Hildener Säureopfer weiter in Klinik
Hilden. Der mutmaßliche Täter (18) und der 22-jährige Ex-Freund der Frau sitzen in Untersuchungshaft. Von Susanne Genath

Das gerahmte Foto im Wohnzimmer zeigt eine hübsche junge Frau mit dunklen, langen Haaren. Ob Reyhan K.'s Gesicht eines Tages wieder so aussehen wird, wissen die Ärzte einer Duisburger Spezialklinik für Brandverletzungen, in der sich die 20-jährige Hildenerin derzeit befindet, noch nicht. "Sie sagen, man muss den Heilungsverlauf abwarten", berichtet Mutter Güler K.. Auch am Dienstag fuhren Nachbarn die 44-Jährige wieder nach Duisburg, damit sie ihre Tochter im Krankenhaus besuchen konnte.

Am vergangenen Samstag war Reyhan K. Opfer eines Säureattentats geworden. Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei hatte der Ex-Freund der jungen Frau, ein 22-jähriger Langenfelder, einen 18-jährigen Langenfelder beauftragt, die Hildenerin mit Schwefelsäure zu verletzen – wohl aus gekränkter Eitelkeit, weil Reyhan K. sich vor gut einem Jahr von ihm getrennt hatte. Gegen beide Männer wurde ein Haftbefehl erlassen. Sie sitzen wegen des Verdachts der schweren Körperverletzung in Untersuchungshaft. Die Ermittler suchen weitere Zeugen.

"Meine Tochter war bei meiner Mutter zum Frühstück, als es klingelte", erzählt Güler K.. Die Seniorin habe die Tür geöffnet und einen jungen Mann mit Mütze, Schal und schwarzer Jacke erblickt, der eine mit Papier umhüllte Plastikdose in der Hand hielt und etwas Unverständliches sagte. "Meine Mutter, die nicht gut Deutsch spricht, hielt ihn für einen Spendensammler und rief meine Tochter, damit sie übersetzt."

Die 20-Jährige, die eine Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau macht, kam, und in dem Moment habe ihr der Unbekannte den Inhalt der Dose mehrfach ins Gesicht geschüttet. "Meine Mutter hat sie schnell von der Tür weggezogen und dabei auch etwas Säure abbekommen." Der Unbekannte flüchtete. Als Reyhan K. Schmerz verspürte, habe sie sich sofort unter die Dusche gestellt und die Großmutter um ein Telefon gebeten, um den Rettungsdienst anzurufen. Die rechte Seite ihres Körpers sei jedoch von oben bis unten verätzt, ein Teil ihrer langen Haare musste abrasiert werden.

"Ich verstehe nicht, wie man so etwas machen kann", sagt Güler K. unter Tränen. "So etwas wünsche ich meinem ärgsten Feind nicht." Sie fühlt sich von der Polizei im Stich gelassen. "Seit einem Jahr lebt meine Tochter in Angst." Ex-Freund Serhat habe ihr immer wieder gedroht und sie auch geschlagen. "Mehrfach haben wir Anzeige erstattet. Aber ein Gericht hat nur verfügt, dass er sich ihr nicht mehr nähern darf. Mehr nicht."

Quelle: RP/jco
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