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Nachruf
Hildener trauern um ihren alten Pfarrer

Hilden. Hermann-Josef Kremer war 33 Jahre und neun Monate Pfarrer in Hilden - so lange wie kaum ein anderer. Am Samstag ist der beliebte Seelsorger nach langer Krankheit im Alter von 83 Jahren verstorben. Von Christoph Schmidt

Hilden Hermann-Josef Kremer und Hilden - das war keine Liebe auf den ersten Blick. "Damals stand noch die alte Lederfabrik gegenüber der Pfarrkirche", hat er sich einmal im Gespräch mit unserer Zeitung erinnert. Das habe ihm beim ersten Besuch gar nicht gefallen. Aber sein Freund, der damalige Kaplan Schneider (1959 bis 1963) habe ihn bestärkt: "Die Stelle ist gut für dich." Kremer hörte auf ihn, bewarb sich und wurde 1972 mit 40 Jahren zum Pfarrer von St. Jacobus ernannt. "Für die Menschen bestellt": Das war das Motto, nach dem Hermann-Josef Kremer lebte. Er hat es von Kardinal Josef Frings übernommen, der ihn 1959 in Köln zum Priester weihte. Zu seinem 30-jährigen Ortsjubiläum hatte jemand nachgerechnet: 2942 Kinder habe Kremer bis dahin in Hilden getauft, 1090 Paare getraut und 2469 Menschen zur letzten Ruhe geleitet. Kremer hat viel für die Gastarbeiter in Hilden aus Portugal, Slowenien, Griechenland und Spanien getan. Er stellte ihnen Räume im alten Reichshof neben St. Jacobus zur Verfügung und förderte das Miteinander von Zuwanderern und Einheimischen. 1962 lernte er Pater Mariadas aus Indien kennen. Sie wurden Freunde. Mit dem späteren Erzbischof von Andrah Pradesh rief er eine Patenschaft ins Leben, die er mit nach Hilden brachte. 1983 wurde mit Hilfe von Spenden das erste Waisenhaus in Indien geweiht. Kremers Lieblingslied war "Das Schiff, das sich Gemeinde nennt". Er fühlte sich von der Gemeinschaft getragen, ein fröhlicher Gottesmann, der im Karneval in die Bütt stieg und offen auf die Menschen zuging. Auch im Ruhestand ab 2005 half er immer noch gern in der Seelsorge aus. Pfarrer i.R. bedeute nicht "im Ruhestand", sondern "in Reichweite", scherzte Altbürgermeister Günter Scheib. In den geliebten Bergen im österreichischen Kaunertal fühlte sich der Wanderer und Skifahrer dem Himmel und seinem Herrgott immer besonders nah. Fahrrad ist er in der Fahrrad-Stadt Hilden kaum gefahren. "Zu viel Stress", gestand er einmal der RP: "Ich hetze von Termin zu Termin. Da war mir das Fahrrad zu langsam. Ich habe es nur einmal benutzt und dann verschenkt." Am Freitag nehmen Gemeinde und Stadt Abschied von Hermann-Josef Kremer. Die Begräbnisfeier ist um 8.30 Uhr in St. Jacobus. Die Beisetzung findet um 10.30 Uhr auf dem Hauptfriedhof statt.

Quelle: RP
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