| 00.00 Uhr

Hilden
Hildenerin stellt ihre Firma weltweit auf

Hilden: Hildenerin stellt ihre Firma weltweit auf
FOTO: Staschik, Olaf (ola)
Hilden. Das Unternehmen "White Parts Patzschke" mit Sitz in Hilden importiert Ersatzteile für Haushaltsgeräte aus der ganzen Welt. Geschäftsführerin Astrid Genge hat den Waschmaschinenhersteller von einst zum "Global Player" geformt. Von Jessica Balleer

Dass der Montag der Chaostag in der Firma ist, glaubt man der Geschäftsführerin Astrid Genge sofort, wenn man das Büro betritt. Hinter einem von zwei großen Schreibtischen sitzt sie in dem kleinen Raum, den sich die 48-Jährige mit Geschäftspartner Holger Baethke teilt. Aktenstapel, Enge und warme Computerluft wirken fast erdrückend. Und tickten hier, in diesem Büro an Kleinhülsen 28, nicht vier verschiedene Uhren, man würde es kaum glauben. Hilden neben London, Shanghai, New York - "White Parts Patzschke", der Hildener Ersatzteilhandel für Haushaltsgeräte, ist zum Global Player aufgestiegen.

Und ausgerechnet bei dieser zierlichen, eher unprätentiösen Frau mit kurzem Haar laufen die Fäden zusammen, an deren Ende im Geschäftsjahr 2015 ein Umsatz von 300.000 Euro hing. Dabei hätte auch alles anders kommen, und das Jahr 2010 der Anfang vom Ende sein können.

Mit 74 Jahren ging die damalige Geschäftsführerin und damit die Seele der Firma "Patzschke" in Rente. Holger Baethke und Astrid Genge, die eigentlich in der IT-Sicherheit zuhause sind und mit dem Ersatzteilgeschäft berufliches Neuland betraten, übernahmen die Führung. Und sie wagten einen weiteren Schritt: 2011 erfolgte der Umzug von "White Parts Patzschke" von Velbert nach Hilden.

Astrid Genge, die gebürtige Düsseldorferin, bleibt damals zwar mit ihrem Sohn in der Heimat wohnen, viele dann folgende Entscheidungen aber fallen zugunsten der neuen Berufung aus. Sie tritt den "Businessfrauen Hilden" bei, wird schnell Vorstandsmitglied und feilt fünf Jahre lang daran, dass die Kapitalgesellschaft wächst. "Astrid ist eine zupackende, gleichzeitig herzliche Frau", sagt Sigrid Averesch, Vorsitzende der Businessfrauen Hilden, über die 48-Jährige. Eine scheinbar gute Kombination von Charaktereigenschaften, um sich im harten Einzelhandelsgeschäft durchzusetzen. Denn heute steht "White Parts Patzschke" auf drei sicheren Standbeinen und im laufenden Geschäftsjahr 2016 wirtschaftlich besser da als je zuvor.

Vor über 75 Jahren wurde "Patzschke" in Wülfrath als Hersteller von Waschmaschinen gegründet. Geblieben, ist nur der Name. Ersatzteillogistik, LED-Lichter und weltweiter Import heißen die drei neuen Geschäftsfelder. Weltweit werden Kunden beliefert und Teile produziert. Kürzlich erst haben Astrid Genge und Holger Baethke Ware von Hilden bis nach Kuala Lumpur geschickt. 250 Euro Versandkosten hatten den Warenwert weit überschritten. Der Kunde bestand aber auf der Heizplatte aus Hilden. Als Astrid Genge das erzählt, trägt sie diesen schelmischen Gesichtsausdruck, der nicht so recht zur klassischen Businessfrau passen will. Bei genauem Hinsehen aber lässt er einiges aufblitzen, die Cleverness und Selbstsicherheit der Businessfrau, die Risiko- und Angriffslust der Motorradfahrerin.

Nur die müden Augen hinter ihrer Brille verraten, dass Genge früh an diesem Morgen bereits Importware aus Dubai und Australien entgegengenommen hat. Motorkohlen, LED-Lampen, Waschmaschinen. Das Übliche eben. "Ende Januar stehen wir wirtschaftlich schon, wo wir 2015 erst im Herbst waren", sagt die Geschäftsführerin. Als Baethke und Genger vor fünf Jahren übernahmen, erzielte die Firma noch einen Jahresumsatz von etwa 100.000 Euro.

Warum aber ist das Unternehmen so erfolgreich? Für das Erfolgsprodukt gibt es eine ganze Zubehörliste. Einerseits sei der Standort perfekt. Ein Großauftrag für die "Capio Klinik" in Hilden sei ein Dosenöffner gewesen. Laufkundschaft komme ebenfalls, so dass Privatkunden neben großen Firmen etwa 40 Prozent der Umsätze ausmachten. Dass "White Parts" weltweit wahrgenommen wird, produziert und importiert, liegt an den IT- und Webmarketing-Kenntnissen der Geschäftsführerin.

"Die LED-Leuchtmittel sind die Zukunft", sagt Genge. Aus nahezu aller Welt finden sie den Weg nach Hilden: Preis- und Qualitätsgründe sind es, wegen denen LED aus China, Trockner aus Südkorea, Steuerungen aus den USA und Waschmaschinen aus Ägypten oder Australien kommen. Auf Sicht sei es denkbar, Gesellschafter in die Firma zu holen. Zukunftsmusik, deren Takt von dem Ticken der vier Uhren bestimmt werden wird. Das Denken in kleinen Etappen passt sowieso besser zum Stil der Hildener Aufsteiger: Schritt für Schritt zum Ziel.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Hilden: Hildenerin stellt ihre Firma weltweit auf


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.