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Auf Ein Wort Udo Pickshaus
Himmelfahrt - ein guter Feiertag

Hilden. Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm". So lautete das erste Gebet, das ich als Kind kennen lernte. Dass es im Himmel schön sei und dass dort jeder gern mal hin wolle, wenn er oder sie gestorben sei, gehörte auch zur religiösen Grundausstattung meiner Kindheit.

"Und was heißt: fromm?" fragte ich irgendwann. "Dass man ein guter Mensch ist und nichts Böses tut" lautete die Antwort.

"Was ist denn mit den Bösen?" - "Die kommen in die Hölle. Auf jeden Fall nicht in den Himmel"

Das klare und schlichte Weltbild einer im Großen und Ganzen noch gottesfürchtigen Generation. Traditionskritische Anhängerinnen auch der christlichen Frauenbewegung machten sich - Jahrzehnte später - darüber lustig und formulierten: "gute Mädchen kommen in den Himmel - böse überall hin". Eine Protesthaltung gegen eine oft allzu selbstgewiss-biedere Spießermoral, deren Verständnis von Gut und Böse nicht viel zu tun hat mit dem, von dessen Himmelfahrt die Bibel erzählt. Denn der war zu Tode gekommen, weil er allzu heftig Kritik geübt hatte an genau dieser seinerzeit gängigen Lehre der damals Herrschenden von einem Gott, der die Lieben in den Himmel holt und die Bösen in die Hölle werfen lässt. Er hatte ein anderes Gottesverständnis dagegen gesetzt: Danach darf auch der schuldbeladene, "böse" Mensch sich jederzeit an Gott wenden in dem Vertrauen, dass der es gut mit ihm meint und ihn auf dem Weg des Wieder-Gut-Werdens begleitet und stärkt. Und wo dies geschieht, ist Himmel. Manchmal schon auf Erden.

Dass dieses Gottesverständnis für alle Welt gilt - das ist der alte Symbolgehalt des Festes der Inthronisation Christi, der in der biblischen Rede seiner Himmelfahrt zum Ausdruck kommt. Ich meine: ein guter Grund zum Feiern.

Quelle: RP
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