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Hugo Niebeling
Hollywood ehrt Wegbereiter des Musikvideos

Hugo Niebeling: Hollywood ehrt Wegbereiter des Musikvideos
Hugo Niebeling sieht den amerikanischen Hollywood-Preis für "künstlerische Innovation" als späte Anerkennung für sein Lebenswerk. FOTO: Matzerath
Hilden. Sein experimenteller Kamera- und Schnittstil hat den Stil der modernen Musikvideo und Video-Clips entscheidend mitbeeinflusst. Das sagt die Jury des Hollywood Reel Independent Film Festivals - und hat den Hildener Regisseur Hugo Niebeling für "artistic innovation" ausgezeichnet. Damit ist der 84-Jährige in prominenter Gesellschaft. Gerard Depardieu, Tinto Brass, Frances Fisher oder Peter O'Toole wurde diese Ehre bereits ebenfalls zu teil.

"Ich sehe den Preis als Auszeichnung für mein Lebenswerk", freut sich Niebeling über die Trophäe, die im jetzt zugeschickt wurde. An der Verleihung in Hollywood konnte er nicht teilnehmen. Der Regisseur hat die Bildsprache des Films revolutioniert. Die Ehrung in Hollywood ist für ihn ein Beleg, dass dies jetzt auch in Amerika anerkannt worden ist: spät, aber nicht zu spät. In den 1970er Jahren drehte Niebeling unter anderem mit Stardirigent Herbert von Karajan.

Keine Konzerteinspielung der bis dahin üblichen Art. "Ich habe die Instrumente optisch erklingen lassen", erklärt Niebeling - durch Unschärfen, Überblendungen und Lichtregie. So etwas hatte das Publikum bis dahin noch nie gesehen. Vor zwei Jahren ehrte das Deutsche Museum in Berlin den Hildener mit einer Werkschau aus 14 Filmen. "Hugo Niebeling ist ein Autorenfilmer der ersten Stunde, ein Filmemacher, dessen Werke mit überkommenen Seh- und Gestaltungsweisen brachen und oft stilbildend den Wirtschafts- und Industrie-, Musik- und Ballettfilm prägten", wurde er im Programm gewürdigt.

In diesem Jahr plane das Bundesarchiv eine Retrospektive, freut sich Niebeling. Das kann man gut verstehen. Er ist präsent, auch mit 84 Jahren. Sein bekanntester Film ist die "Johannes-Passion". In der Karwoche ist er Jahr für Jahr auf vielen TV-Kanälen zu sehen - die Passion Christi als antike Tragödie inszeniert im leer geräumten Dom zu Speyer (katholisch) zu Bachs (protestantisch) gewaltiger Musik. Kurios: Trotz des Publikumserfolgs hat der Film nie einen Preis bekommen.

Die Filmbewertung ließ die "Johannes-Passion" sogar glatt durchfallen. "Warum muss um Jesus herumgetanzt werden?", hieß es in der Begründung. Darüber muss Niebeling heute noch lachen. Das Leben steckt voller Überraschungen - auch noch mit 84. cis

Quelle: RP
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