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Hilden
Frauen retten Hundewelpen vor Hitzetod

Hundewelpen werden von Frauen vor Hitzetod gerettet
Dieses Foto von den völlig entkräfteten und schon apathischen Welpen machte die Polizei, nachdem sie den Wagen geöffnet hatte. Der Wassernapf, der am unteren Bildrand zu sehen ist, war leer. FOTO: Kreispolizei Mettmann
Hilden. Am Montag fanden Spaziergängerinnen im Hildener Stadtwald sechs junge Hunde hilflos im erhitzten Kofferraum eines Kombis. Als sie sich nicht mehr bewegten, rief eine der Frauen die Polizei. Den Halter des Wagens konnte die Polizei ermitteln. Von Alexandra Rüttgen

Stefanie Kürten hatte ein ungutes Gefühl, als sie in den Kofferraum des Kombi blickte. "Da wuselte etwas in dem Auto", erzählt sie. Sechs Welpen waren darin, "und die hatten die Zunge schon ziemlich raushängen". Denn obwohl der Wagen am Montagvormittag in Nähe des Restaurants "12 Apostel" im Schatten geparkt war, hatten die Temperaturen im Innenraum des Wagens mörderische Ausmaße angenommen. Das merkte später die Polizistin, die in den Wagen kletterte und die Welpen rettete.

Doch zunächst hoffte Stefanie Kürten noch, dass sich der Besitzer der Welpen bald blicken lässt. Daher ging sie zunächst einmal selbst mit ihren Shelties Sari und Peggy eine kurze Runde. Als sie aber zurückkam, lagen die Welpen reglos im Kofferraum. Stefanie Kürten rief die Polizei, die schnell eintraf und die Tiere dank eines auf Kipp stehenden Fensters befreite. "Die Hunde waren völlig lethargisch", sagt Polizeisprecher Ulrich Löhe.

Einer der Hunde schaute gequält aus dem überhitzten Wagen. FOTO: Kürten

Bei diesem Anblick fuhr auch Birthe Seelbach (33), die inzwischen hinzugekommen war, der Schreck in die Glieder. "Die Tiere waren so erschöpft", erinnert sie sich. Stefanie Kürten holte Mineralwasser aus ihrem Auto, das sie noch am Morgen gekauft hatte. Und Birthe Seelbach eilte zum Restaurant, um einen Wassernapf zu besorgen. Bis die Tierrettung kam, benetzten sie Nasen und Pfötchen mit dem Wasser, gaben den Hunden zu trinken, streichelten sie.

Mittlerweile sind die Welpen im Tierheim Hilden. "Wir haben mehr als eine Stunde gebraucht, um sie wieder aufzupäppeln", sagt Tierheimleiter Thomas Mielke. Seine Mitarbeiter kühlten die Schnauzen und Pfötchen der Doggen-Mischlinge. Es melden sich bereits etliche Interessierte, die die Hunde aufnehmen wollen. Doch sie sind nicht zur Vermittlung freigegeben.

Tierquäler-Fälle in NRW FOTO: dpa, Andrea Warnecke

Dr. Norbert Kruse, stellvertretender Amtstierarzt des Kreises Mettmann, ist wütend. "Für so etwas habe ich kein Verständnis", sagt er. Schon nach 30 Minuten erreichen die Temperaturen in einem zur Sommerzeit geparkten Auto bei 24 Grad außen im Innenraum Werte von 40 Grad - lebensgefährlich nicht nur für Hunde, sondern auch für kleine Kinder, betont Kruse. Dringender Appell des Amtstierarztes: "Wenn, dann sollte ein Wagen mit dem Hund nur in einem Parkhaus abgestellt werden, wo der Schatten sicher ist, und das auch nur mit geöffneten Fensterscheiben. Zwei bis drei Zentimeter reichen da nicht aus", sagt Kruse. Und auch Polizeisprecher Löhe mahnt: "Tierhalter, aber auch Eltern sollten daran denken, dass die Temperaturen in einem geparkten Auto schnell auf 60 bis 70 Grad ansteigen." Das sollte jeder bedenken, der "nur mal eben" etwas einkaufen will. "Denn meistens steht man dann doch länger als gedacht in der Schlange."

Den Halter des Wagens hat die Polizei ermittelt. Ihn erwartet nun ein Ordnungswidrigkeitsverfahren nach Tierschutzgesetz. "Da haben wir auch schon mal Bescheide über ein paar Tausend Euro ausgestellt", so Kreisveterinär Kruse. Über den Verbleib der Welpen wird sein Amt entscheiden. Sie werden dem Besitzer wohl nicht zurückgegeben.

Quelle: RP
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