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Hilden
Immer mehr Städter wollen Hühner halten

Hilden: Immer mehr Städter wollen Hühner halten
Jörg Clauberg, Rassegeflügelzüchter Gruiten, mit seinem Deutschen Reichshuhn in weiß-schwarzcolumbia. FOTO: Olaf Staschik
Hilden. Tierschauen haben gerade Hochsaison. Was ist so reizvoll an der Zucht von Pfautauben oder Grauen Wienern? Von Pascal Conrads

Die Hähne sind schon von weitem zu hören aus dem Inneren des Bürgertreffs in Hilden. Frank Zollmarsch, der Ausstellungsleiter vom RGZV Fauna Hilden, zeigt stolz seine Pfautauben und Brahma-Hühner, eine besonders große und seltene Rasse. 150 Kilometer ist Frank Zollmarsch für die Hühner gefahren, um bei einem anderen Züchter "frisches Blut zu bekommen", wie er sagt.

Namen geben er und die anderen Vereinsmitglieder den Tieren nicht. "Bei mehr als 30 Tieren könnten Sie sich die Namen ja auch gar nicht merken!", erklärt er den Grund. Außerdem behält man Tiere in der Regel nicht lange. Für die Zucht werden zwei bis vier gute Tiere ausgesucht, der Rest wird verkauft oder geschlachtet. So sieht das Hobby von Zollmarsch aus. Es entspannt ihn - und die alten Tierrassen interessieren ihn.

So sieht das auch Thomas Rohleder. Der 37-Jährige züchtet Graue Wiener. Die Kaninchenrasse ist relativ weit verbreitet. Trotzdem: Wenn der Tag wieder sehr stressig war, entspannt ihn seine Kaninchenzucht, schon seit seinem sechsten Lebensjahr. Rohleder ist mit der Zucht von Tieren aufgewachsen. Im Gegensatz zur reinen Tierhaltung verlangt die Zucht sehr viel mehr Zeit, fachmännisches Wissen und eine intensive Beschäftigung mit den Tieren.

Der vergleichsweise junge Züchter nimmt eines seiner Tiere aus dem Käfig und pustet ins Fell: "Sehen Sie dieses Auge hier? Der braune Kranz darf nicht zu breit sein. Das soll einfach nicht so sein. Das will ich so nicht." Sind Tierzüchter also so etwas wie DNS-Künstler? Die Bewertungskriterien für die Kaninchenzucht umfassen immerhin 67 einzelne Punkte.

Je näher ein Tier diesem Standard kommt, desto besser schneidet der Züchter bei Wettbewerben ab. Nein, Namen haben die Tiere von Rohleder auch nicht, erstens müsse frisches Blut rein kommen, damit keine Inzuchttiere entstehen, und zweitens werden Tiere verkauft oder geschlachtet. Natürlich schmecken Kaninchen gut, aber darum geht es nicht. Nicht nur!

Wenige Kilometer weiter in Haan stellen gleichzeitig Geflügelzüchter ihre Tiere im Bürgersaal Gruiten aus.

Schon vor dem Bürgersaal stehen hohe Volieren, darin zu sehen sind Silberfasane, große imposante Tiere mit gepflegten Federkleid und langen Schwänzen. Das gewöhnliche Haushuhn sieht anders aus. Die Tiere von Dieter Kube sind bei Geflügelzüchtern selten und brauchen außerordentlich viel Platz.

Auch Kube ist mit Tieren aufgewachsen, sein Vater war Bauer. Seit seinem 13. Lebensjahr züchtet er Tiere. Neben Fasanen und gewöhnlichen Hühnern, sind das noch allerlei Sorten an Tauben. Die Diamanttaube, eine besonders schmucke Rasse, heißt so, weil es tatsächlich so aussieht, als seien die Federn mit Diamanten geschmückt. Für Kube ist die Tierzucht auch immer Arterhaltung, außerdem hat er einfach Spaß an der Tierhaltung. Die Zucht gehört dann automatisch zu einem gesunden Tierwohl dazu.

Auch der neue Vorsitzende des RGZV Gruiten, Jörg Clauberg, wollte ursprünglich einfach nur Tiere aus ganz praktischen Gründen halten: Fleisch und Eier. Um einen dauerhaften Bestand der Tiere zu sichern, muss der Tierhalter dann automatisch züchten. "Die Zucht macht aber auch Spaß und so bin ich dann 2014 zum Verein gekommen", sagt Clauberg, der erst spät unter die Tierzüchter gegangen ist.

Regelmäßig werden Clauberg und Kube von außerhalb nach Tieren gefragt: Die Selbstversorger-Idee ist gerade bei Leuten aus der Stadt gefragt, die mit ein bisschen Land sicherstellen wollen, wirklich nur das beste Fleisch und unbelastete Eier essen zu können.

Die eigene Tierzucht, so scheint es, bietet gerade bei immer neuen Lebensmittelskandalen Sicherheit. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Gruiten sogar eine Jugendabteilung hat: keine Nachwuchssorgen. Vier Schüler können jetzt schon eigene Züchtungen vorweisen. Eine Schülerin ist sogar "familiär unvorbelastet".

Quelle: RP
 
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